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Trinkwasser unterwegs • Wasseraufbereitung

Autor: Kurt Ryser

Im zweiten Teil seines Artikels über Wasseraufbereitung geht Kurt Ryser auf die Verschiedenen Arten der Wasseraufbereitung ein, wie man sie am besten kombiniert und worauf man besonders achten sollte.

Wasseraufbereitung

Wie ich im ersten Teil des Berichtes ausführlich darlegte, gibt es mannigfaltige Möglichkeiten wie Wasser verschmutzt sein kann. Dies legt die Frage nahe wie denn Trinkwasser beschaffen sein muss. So werden vom Gesetzgeber folgende Kriterien verlangt:

  • Trinkwasser muss frei sein von Krankheitserregern
  • Trinkwasser muss keimarm sein
  • Trinkwasser soll appetitlich sein (farblos, klar, kühl, geruchlos, guter Geschmack)
  • Trinkwasser soll wenig gelöste chemische Stoffe beinhalten
  • Trinkwasser darf keine gesundheitsschädigenden Eigenschaften haben
  • Trinkwasser soll keine Korrosion hervorrufen
  • Trinkwasser soll in genügender Menge zur Verfügung stehen

Weitere Kriterien zur Auswahl der situationsangepassten Aufbereitungsmethode für unterwegs sind folgende:

  • die Schnelligkeit der Wirkung
  • Grösse und Gewicht des Aufbereitungssystems
  • das Wasservolumen, das aufbereitet werden kann
  • die möglichst schnelle und einfache Handhabung
  • die Haltbarkeit des aufbereiteten Wassers
  • die Kosten der Aufbereitung (Investition und Verbrauchskosten)

Aufgrund der Vielzahl der verschiedenen Einflussfaktoren ergibt sich die Auswahl aus drei Aufbereitungs- bzw. Entkeimungsverfahren, welche sich für unterwegs eignen. Nicht vergessen werden darf die richtige Auswahl der Wasserherkunft.

Abkochen

Erhitzen bzw. Abkochen ist wohl die älteste und einleuchtendste Methode des Entkeimens. Das Prinzip ist dabei denkbar einfach. Die über eine bestimmte Zeitdauer wirkende Temperatur heizt den Mikroorganismen gewaltig ein - sie sterben ab. In der Praxis heisst das allerdings, dass das Wasser mindestens 10 Minuten sprudelnd kochen muss, bevor es genügend entkeimt ist. So einfach das Verfahren, es ist nicht ganz unproblematisch. Ganz abgesehen vom enormen Verbrauch an Brennmaterial, ist es oft recht umständlich. Dies birgt die Gefahr, dass bei raschem Bedarf eine Entkeimung durch Kochen unterlassen wird - im schlimmsten Fall mit verheerenden Folgen. Zum anderen kann abgekochtes Wasser, das nicht sofort verbraucht wird, recht schnell wiederverkeimen, weil es keine Wirkstoffe gegen Wiederverkeimung enthält. Einige verbliebene Exemplare der ursprünglichen Organismen oder Keime vermehren sich flott wieder. Eine weitere Tücke der Methode ist bedingt durch die Höhe über Meer. So ist der Siedepunkt des Wassers umso tiefer, je höher wir uns befinden. Zum Beispiel siedet Wasser auf 4500 m bei 85¡C - diese Temperatur kann nicht mehr alle Erreger abtöten.

Um ganz sicher zu gehen, dass die wirksame Temperatur erreicht wird und die bestmögliche Entkeimung gewährleistet ist, empfiehlt sich ein 10 bis 15 minütiges Kochen des Wassers im Dampfkochtopf.

Kein Wunder bei der Mühseligkeit dieses Verfahrens, sowie den vielen Einschränkungen, dass sich die chemische Entkeimung oder die Filtration durchgesetzt haben.

Chemische Entkeimung

Bedingt durch die Einfachheit dieser Methode, hat sie sich unter Outdoorer und Trekker durchgesetzt. Dabei sind hauptsächlich folgende Punkte massgebend:

  • Leichte Handhabung der Präparate
  • Klein verpackt und leichtgewichtig, auch für Rucksackreisende einsetzbar
  • Sie sind preiswert
  • Einmal entkeimtes Wasser bleibt bei der richtigen Dosierung der Präparate längere Zeit keimfrei.

Im Outdoor-Bereich ist vorallem die Behandlung mit Chlor und Silber bekannt. Beide Stoffe gibt es in Tabletten- bzw. Pulverform sowie flüssig und beide dienen vornehmlich zur Bakterienbehandlung. Manche Viren sollen damit auch abzutöten sein. Ein- und Mehrzeller bleiben von dieser Behandlung unbeeindruckt - also(!) Vorsicht bei der Behandlung von Oberflächenwasser.

Chlorung

Ist weltweit die gebräuchlichste Methode der Trinkwasserentkeimung! Dies ist wohl den meisten bekannt, die schon einen Geruchstest am Leitungswasser diverser Grossstädte gemacht haben. Der deftige Schwimmbadgeruch vertreibt die Lust zum Trinken sofort und es widerspricht eigentlich den Anforderungen, welche an Trinkwasser gestellt werden. Dafür tötet Chlor die Keime relativ rasch und zuverlässig ab. So haben die Chlorpräparate alle eine sehr kurze Einwirkzeit im Bereich von Minuten. Reine Chlorpräparate werden heute kaum mehr angeboten - zu finden sind aber mehrere Kombinationspräparate mit Silber.

Entkeimung durch Silber

Silberpräparate spielen derzeit auf dem Reisesektor die entscheidende Rolle. Silber verbindet sich dabei mit den chemischen Bestandteilen der Bakterien, blockiert damit lebenswichtige Stoffwechselvorgänge, tötet sie ab bzw. verhindert deren Weitervermehrung. Dieser Vorgang wird wissenschaftlich als Oligodynamie bezeichnet. Dabei muss beachtet werden, dass dieser Vorgang Stunden dauert. So definiert die deutsche Trinkwasseraufbereitungsverordnung Silberpräparate als Konservierungsmittel für Trinkwasser. Tatsächlich kann genügend gesilbertes Trinkwasser bis zu einem Jahr aufbewahrt werden. Dennoch sollte die Entkeimungswirkung von Silber nicht zu sehr unter den Scheffel gestellt werden. Gemäss den Herstellerangaben dosiert, kann Wasser nach 2 bis 4 Stunden Einwirkzeit (am besten über Nacht!) bedenkenlos getrunken werden.

Was hat Silber denn für Vorteile? 

  • Gesilbertes Wasser ist geschmacksneutral. Mit Silber behandeltes Wasser ändert seinen ursprünglichen Geschmack nicht. 
  • Gesilberts Wasser ist konserviert, Silber verhindert eine Wiederverkeimung. 
  • Silber ist toxikologisch selbst bei lebenslanger Anwendung völlig unbedenklich.

Folgende Produkte werden heute an den meisten Orten angeboten: 

  • Micropur (Katadyn Produkte AG) - reines Silberpräparat
  • Certisil Argento (Certisil) - reines Silberpräparat
  • Certisil Combina (Certisil) - Kombinationspräparat Silber/Chlor
  • Romin RP (Relags) - reines Silberpräparat
  • Combin RC (Relags) - Kombinationspräparat Silber/Chlor
  • Drinkwell (MS Water GmbH) - Silberpräparat, Chlorpräparat, Entchlorungsmittel (kann auch zur Entchlorung von Leitungswasser verwendet werden)

Anwendungseinschränkungen beim Einsatz von chemischen Entkeimungsmittel

  • Sichtbare Trübung: Die Trübstoffe binden das Entkeimungsmittel, welches dann nicht mehr zur Bakterientötung zur Verfügung steht. Solches Wasser muss zuerst durch Filtration aufbereitet werden.
  • Hohe organische Belastung: Wasser mit einer hohen organischen Belastung, machen sich durch einen gerade erkennbaren Gelbstich bemerkbar. Die im Wasser vorhandenen organischen Stoffe verbinden sich chemisch mit dem Entkeimungsmittel, welches dadurch seine Wirksamkeit verliert. Solche Wasser sollten zuerst mit Aktivkohle behandelt werden.
  • Oberflächenwasser: Durch die z.T. massiven Verunreinigungen ist die Wirkung von chemischen Entkeimungsmittel fraglich. In diesen Fällen empfiehlt sich eine mikrobiologische Filtration evtl. kombiniert mit Aktivkohle

Filtration

Keramik- und Aktivkohlefilter sind die zuverlässigsten Bundesgenossen bei der Wasserentkeimung unterwegs. Sie filtern in der Regel alles aus dem Wasser was grösser als 0.1 bis 0.2 Mikrometer ist - davon betroffen sind Bakterien, alle ein- und mehrzelligen Organismen, sowie alle Schwebstoffe. Aktivkohlefilter halten auch einige Chemikalien zurück oder reduzieren sie zumindest. Viren können zur Zeit von keinem Wasserfilter zuverlässig eliminiert werden. Vorteil der Filtration ist die schnelle Verfügbarkeit von einwandfreiem Trinkwasser. Zudem ist die Methode der Filtration die einzig sichere bei der Aufbereitung von Oberflächenwassern. Als Nachteile zeigen sich hauptsächlich die hohen Anschaffungskosten, das nicht zu vernachlässigende Gewicht und Packmass, den Wartungs bzw. Reinigungsaufwand. Nicht vergessen werden darf die Wiederverkeimungsgefahr von filtriertem Wasser - so sollte dies zur Aufbewahrung mit einem Silberpräparat konserviert werden.

Auf dem Markt finden sich mittlerweile eine unüberschaubare Anzahl an Wasserfiltern. Diese basieren auf verschiedensten physikalischen Methoden. Im Outdoor-, Expeditions- und Trekkerbereich lassen sich praktisch nur Keramikfilter empfehlen, evtl. kombiniert mit Aktivkohle.

Keramikfilter lassen sich als Durchlauffilter bzw. Siphonfilter einsetzen - das Wasser tropft über Stunden gemächlich durch - oder die Keramikfilter lassen sich als Pumpenfilter einsetzen, bei welchen der durch Pumpen erzeugte Druck die Durchflussmenge an Wasser bestimmt - bei Handbetrieb eine recht schweisstreibende Aktion. Als bekanntes Beispiel für Keramikfilter findet sich das Sortiment der Katadyn Produkte AG:

  • Pumpenfilter (verschiedene Grössen, z.T. mit Aktivkohleelementen)
  • Tropffilter, Siphonfilter
  • Haushaltsfilter (für feste Installationen, auch als Kombination mit Aktivkohle)
  • Industriefilter

Hinweise zum Umgang mit Keramikfiltern

Keramikfilter müssen je nach Verschmutzungsgrad des aufbereiteten Wassers regelmässig gereinigt werden. Dazu kann die mitgelieferte "Bürste" oder besser ein Pfannenriebel Marke Scotch o.ä. verwendet werden. Bei der Reinigung sollte dabei die oberste Keramikschicht mitentfernt werden. Darauf achten, dass der Abrieb rundum und über die Länge des Keramikkörpers gleichmässig ist. Die Keramikelemente lassen sich sooft reinigen, bis die mitgelieferte Lehre (Um die Dicke zu messen anm. der Red.) darübergeschoben werden kann. Ist dies der Fall, muss das Element ausgetauscht werden.

Werden die Elemente nicht kontinuierlich benutzt, sollten sie jeweils bei offenem Gehäuse und Raumtemperatur getrocknet werden. Damit wird einer Schimmelbildung bzw. einem unkontrollierten Bakterienwachstum vorgebeugt.

Falls Sie mit einer permanent installierten Filteranlage offroad, eventuell sogar auf einer afrikanischen Wellblechpiste unterwegs sind, sollten Sie die Filterelemente ganz aus dem Gehäuse entfernen. Durch das Schwingen des Filterelementes am Einschraubpunkt könnten Haarrisse oder sogar Risse in der Keramik entstehen.

Im Winter ist der Einsatz von Keramikfiltern nicht ganz unproblematisch. Friert nämlich das in der Keramik gefangene Wasser, kommt es zu Haarrissen; das Keramikelement wird dadurch unbrauchbar. Also! Ein Keramikfilter darf nie einfrieren!

Filtern Sie niemals andere Flüssigkeiten als Wasser durch einen Keramikfilter - entweder geht die Keramik über den Jordan oder die Dichtungen verabschieden sich.

Nach einer erfolgreichen Saison, wenn es ans Überwintern der Ausrüstung geht, empfiehlt sich eine Desinfektion des Keramikfilters inklusive dem System. Dazu vermischen Sie maximal 1 Teelöffel Eau de Javelle (6%ig) mit 1 bis 2 Liter Wasser. Diese Lösung pumpen Sie durch den Filter und verwerfen sie sofort. Ein gründliches Durchspülen des Filters mit der 3 bis 5 fachen Menge reinen Wassers gehört dazu und verhindert Schäden durch das Javellewasser. Übrigens lassen sich mit der oben erwähnten Mischung auch Trinkwassergefässe bis hin zu Trinkwassertanks desinfizieren.

Sie stehen vor einer Tour und wissen nicht ob ihr Keramikfilter noch ganz ist. Mit folgendem Test erhalten Sie Hinweise: Trocknen Sie das Filterelement bei Raumtemperatur. Fühlt sich die Keramik noch kühl an, ist sie noch nicht trocken. Halten Sie nun die Ausflussöffnung des Keramikelementes mit einem Finger zu und tauchen Sie das Element ganz unter Wasser. Nun gilt es aber den entstehenden Druck im Element aufrechtzuerhalten - also drücken Sie den Finger auf die Öffnung was das Zeug herhält. Nach ca. einer Minute beginnt es bei den Dichtungen leicht zu "blätterlen" - dies ist normal und darf Sie nicht beunruhigen. Beunruhigend ist es nur, wenn über der Keramik eine ganze Perlenschnur an Blasen erscheint - dann ist es Zeit mit dem Hersteller Kontakt aufzunehmen - dann ist ein Riss in der Keramik wahrscheinlich.

Nach der Winterpause riechen Wasserflaschen, Trinkwassertänke, evtl. auch der Keramikfilter muffig, unangenehm. Hier behilft man sich mit Backpulver - 1 Beutel in einem Liter Wasser aufgelöst und als Reinigungslösung eingesetzt befreit es vom muffigen Geruch. Auch hier darf ein gründliches Nachspülen nicht vergessen werden, will man chemischen Schäden vorbeugen.

Noch ein Hinweis zum Betrieb des Taschenfilters: Durch die enorme mechanische Beanspruchung des Pumpenstössel-O-Ringes geht dieses Teil gerne mal kaputt. Dann rinnt ungefiltertes, bakterienverseuchtes Wasser oben beim Pumpengestänge heraus und sucht sich den Weg am Ausfluss entlang ins saubere, mit viel Energie gewonnene Trinkwasser. Also! Falls es oben rausrinnt ist ein Wechsel des O-Ringes angesagt. Übrigens lässt sich die Lebensdauer des O-Ringes mit dem mitgelieferten Silikonfett um ein mehrfaches verlängern.

Allgemeine Tips rund um sicheres Trinkwasser

  • Möglichst "sauberes" Wasser zur Aufbereitung benutzen
  • Eine sichere Wasseraufbereitung beinhaltet folgende Schritte:
    1. Filtration (Keramikfilter, evtl.Aktivkohle)
    2. Desinfektion (Chlor- oder Silberpräparat)
    3. Konservierung (Silberpräparat)
  • Nur behandeltes Wasser aufbewahren
  • Wasser nur in einwandfrei saubere Behältnisse abfüllen. Notfalls Behältnisse desinfizieren
  • Wasser möglichst kühl und dunkel aufbewahren.
  • Richtige Handhabung der Wasseraufbereitungsausrüstung!
  • Körperpflege, Zähneputzen, Kochen, Eis in Drinks, Waschen von Lebensmitteln, Abwaschen - nur mit behandeltem Wasser!
  • Flaschenwasser ohne Kohlensäure ist nicht sicher
  • Leitungswasser mit Chlorgeruch gilt als sicher

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Ausführungen das Thema "Trinkwasser unterwegs" etwas näher gebracht zu haben und hoffe, dass Sie genügend Praxistips erhalten haben.

Leider finden sich auf diesem Sektor immer wieder markttüchtige Leute, welche das Ei des Kolumbus neu erfunden haben. Durch Studium der gängigen Outdoor- und Reiseliteratur finden Sie aber schnell heraus, was sich unterwegs dann immer noch als zweckmässig erwiesen hat.

Kurt Ryser