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Trinkwasser unterwegs • Verunreinigungen

Autor: Kurt Ryser

Am Länditreff vom 28. August 1998 durfte ich über das Thema Wasseraufbereitung referieren. Als ehemaliger Laborleiter der Katadyn Produkte AG klemmte ich mich hinter meine Literatur, suchte alle Wasseraufbereitungsgeräte hervor, nahm mit ehemaligen Berufskollegen Kontakt auf und aktualisierte mein Wissen so gut es ging...

Soweit gut vorbereitet erschien ich mit meiner Familie in Oberkulm und erzählte über die Gefahren von verschmutztem Trinkwasser. Dass uns diese Gefahren selbst in der Schweiz betreffen solle, löste doch ein gesundes Misstrauen aus. 3 Tage später - alle Medien hängten es an die grosse Glocke - die Einwohner von La Neuveville plagte Durchfall und Erbrechen, verursacht durch verseuchtes Trinkwasser. Besser konnte die Aktualität des Themas nicht aufgezeigt werden.

Trinkwasser - das Lebensmittel Nummer eins, lebensnotwendig, Quelle des Lebens. Gleichzeitig laut WHO die Nummer eins der Quellen von Krankheiten. Ein grosser Teil der Erdbevölkerung lebt von Wasser, welches wir nicht einmal zur Wäsche unserer Autos gebrauchen würden. (Rund 1,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.) So erstaunen Zitate wie von Peter Gelzhäuser (Wasserpeter, Certisil) nicht:"Das Wasser, das unterwegs aufgefunden wird, hat mit unserer Wasserqualität oft nur noch gemeinsam, dass es nass ist."

Wasser in der Natur

In der Natur findet sich an verschiedensten Orten Wasser. Je nach Vorkommen ist es mehr oder weniger verschmutzt. Um sich bei der Wassersuche und der Beurteilung der Wasserqualität besser zurecht zu finden, werden folgende Herkunftsarten unterschieden:

  • Grund- und Quellwasser (gute Qualität): z.B. Sodbrunnen, Quellen
  • Oberflächenwasser (schlechte Qualität): z.B. Seen, Flüsse, Bäche, Teiche
  • Meteorologisches Wasser (gute Qualität): z.B. Regen, Schnee, Eis, Tau
  • Wasser aus Biosphäre (Bedeutung im Überlebensfall): z.B. Kaktussaft, Bambus

Nun müssen wir uns fragen, was für Verunreinigungen des Wassers gibt es überhaupt. 

Chemische Verunreinigungen

Sie werden fast ausschliesslich durch den Menschen selbst verursacht. So werden Industrieabwässer noch grosszügig in die natürlichen Gewässer eingeleitet. Zudem versickern pausenlos schädliche Chemikalien aus industriellen Betrieben, Müll- und Sondermülldeponien im Boden.

Die Landwirtschaft steuert mit Dünger und Pestiziden ihren Teil bei. Nicht zu vergessen sind Chemikalien, die bei Unfällen und zivilisatorischen Katastrophen in den Wasserkreislauf gelangen - der rotgefärbte Rhein mit dem Aalsterben nach dem Sandozbrand ist uns noch in Erinnerung. Doch auch die Natur selbst kann Wasser chemisch verunreinigen. So können gesteinseigene Materialien, z.B. in vulkanischen Gebieten Wasser ungeniessbar machen. 

Schwebestoffe

Dabei wird unterschieden zwischen anorganischen und organischen Schwebstoffen. Anorganische Schwebstoffe finden sich durch Erosion oder Gletscherabrieb (Gletschersand), aber auch nach Atomkatastrophen als radioaktiver Fallout. Organische Schwebstoffe sind Algen, Pflanzenreste oder Wasserblüten (zusammen geklumpte Mikroorganismen). Die Schwebstoffe selbst sind zwar meist harmlos (ausser radioaktivem Fallout), aber sie können Brutstätten üppig wuchernder Mikroorganismen sein. 

Mikrobiologische Verunreinigungen

Das sind all die kleinen, meist unsichtbaren Tierchen, die sich im Körper ihres Gastgebers so rapide vermehren und diesen zum hastigen Gang aufs Örtchen zwingen oder ihn gar ins Grab bringen können

(R. Höh, Outdoor Praxis).

Man unterteilt sie in 4 Gruppen:

  • Viren: z.B. Hepatitis A; geraten meist durch Abwässer in die natürlichen Gewässer; sie können sich im Wasser nicht vermehren.
  • Bakterien: z.B. Typhus, Cholera, Reisedurchfall; gelangen über Abwässer in Flüsse und Seen; sie fühlen sich in brühwarmen, trüben Wasser am wohlsten und können sich dort rapide vermehren
  • Protozoen: z.B. Amöben, Giardia, Cryptosporidien; können überall im Oberflächenwasser vorkommen
  • Parasiten, Würmer: z.B. Bilharziose, Spulwürmer; finden sich vorallem in tropischen und subtropischen Gewässern.

Die hauptsächliche Ursache der mikrobiologischen Verunreinigung ist die Einleitung von Fäkalien ins Wasser. Man spricht dann vom fäkal-oralen Übertragungsweg, wenn diese Mikroorganismen über den Mund aufgenommen Schaden anrichten. Wie kommen nun die Fäkalien ins Wasser?

Häufiges Problem ist die Durchmischung von Oberflächenwasser mit Grundwasser, z.B. durch landschaftsgestalterische Massnahmen, ausgiebigen Regenfällen, durch Naturkatastrophen. Aber auch das Abpumpen von Grundwasser aus Tiefbrunnen kann Wasser der Oberfläche in dieTiefe ziehen und so zu einer Durchmischung führen. Leckende Abwasserrohre, Fäkaldüngung, exzessives Jauche ausbringen, Einleitung geklärter und ungeklärter Abwässer in den Vorfluter; sind weitere Verunreinigungsmöglichkeiten.

Leider wird in den Medien hauptsächlich die chemische Verseuchung des Wassers angeprangert. Dabei hat die mikrobiologische Verunreinigung unseres Trinkwasservorkommens beängstigende Ausmasse angenommen, so dass in der Schweiz kaum eine Trinkwasserversorgung ohne Desinfektionsmassnahmen auskommt. 

Biologische Verunreinigungen

Diese Verunreinigungsart ist glücklicherweise sehr selten und kommt hauptsächlich nach Naturkatastrophen vor. So verunreinigen tote Tiere und Leichen durch die Abgabe von Toxinen das Trinkwasser.

Wenn es uns nun bedingt durch die Verunreinigungsmöglichkeiten von Wasser kalt den Rücken herunterläuft, so erkennen wir die Wichtigkeit der Beschaffung möglichst reinen Trinkwassers- und auch dieses behandeln wir besser noch, um unsere Gesundheit zu schonen.

Gefahren beurteilen!

Die Gefahr einer Verunreinigung lässt sich anhand folgender Kriterien etwas besser abschätzen:

Hinweise auf ein geringes Risiko:

  • quellnahe Entnahmestelle
  • schnell fliessendes Wasser
  • kaltes Wasser
  • zivilisationsferne Gebiete
  • klares Wasser
  • saures Wasser (pH < 7)
  • naturnahe Gewässer
  • reiches Tierleben im Wasser
  • Moosbewuchs auf Steinen am Wasser
  • sandiger oder steiniger Grund

 

Hinweise auf erhöhtes Risiko:

  • langsam fliessendes oder stehendes Wasser
  • warmes Wasser
  • trübes Wasser
  • geringer Säuregehalt
  • Brennnesseln und Pestwurz an den Ufern (zeigen hohen Phosphatgehalt)
  • Algenbildung (durch Überdüngung)
  • schlammiger Grund
  • Ansiedlungen, Landwirtschaft oder Industrie oberhalb der Entnahmestelle

 

Zum Glück ist die Versorgung mit Wasser auf den meisten Touren kein Problem und wir können auf recht zuverlässige Wasserversorgungen der Zivilisation zurückgreifen, ohne auf zweifelhaftes Wasser aus Oberflächengewässer angewiesen zu sein.