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SuperKarpata Trophy 2009

Autoren: Kurt Schatt • Hp Bleuer
Bilder: Kurt Schatt

Kurt Schatt und Hp Bleuer fuhren zusammen mit zwei Partnern aus Holland im Team Landy Spass ials erste Schweizer Teilnehmer an der Superkarpata Trophy in Rumänien mit. Ihre erlebnisse haben sie für uns in einem Bericht zusammengefasst.

Bericht Kurt Schatt

Team Landy-Spass Sui/NL

  • Fahrzeug 1: Hanspeter Bleuer/Kurt Schatt
  • Fahrzeug 2: Pascal Upags/Paul van der Zwan

800 km Anreise

Am Donnerstag 15. Mai traf Hp am Abend bei mir ein um noch das Auto fertig zu laden. Navigerät und PC mussten auch noch installiert werden und natürlich das Persönliche von mir. Sue bereitete uns noch ein feines Nachtessen zu, das letzte für einige Tage. Früh ging es ins Bett, mit dem Wissen, dass morgen 800 km vor uns liegen. Wir mussten um 18.00 Uhr in  Frauenkirchen am Neusiedlersee sein. Auf dem Campingplatz sollten  wir dann unser andere Hälfte des Teams treffen. Nochmals herzhaft Frühstücken und dann ging die Reise los um 7.00 Uhr. Unsere Reise in Kurzform: Oberrieden, Schaan, Arlbergtunnel, Salzburg, Wien, Frauenkirchen. Pünktlich um 18.00 Uhr trafen wir da ein. Nach einer nicht allzu stressigen Fahrt begrüsste uns Paul und Pascal. Vis-à-vis von uns stellte ein Deutsches Team auch Ihre Zelte auf und wie sich bald einmal zeigte waren es die Primaveras. Heute sind wir mit einem Teil von ihnen gute Freunde geworden. Voller Erwartung und Spannung, was uns erwartet am Start, teilten wir noch die Verpflegung und Ersatzteile in die zwei Landys auf. So das jeder etwa gleichviel Gewicht mit dabei hatte. Nach einem gemütlichen Abend bei Bier und dem Team Primavera ging es früh ins neue Camping-Bett.

Showstart in Halbturn

Morgens früh Tagwache und die letzten Vorbereitungen in Angriff nehmend. Nach dem Frühstück fuhren wir Richtung Start, durch eine sehr schöne Weinlandschaft fahrend erreichten wir nach ca. 7 km das Schloss Halbturn. Vor dem Schloss wurden wir schon empfangen von der Orga und einmal eingewiesen. Wie üblich, zuerst ging es an den Bürokram, Info Mappe, Startnummern und die übliche Infos. Startnummer und Werbung aufkleben etc. Dann hiess es in den Schlosspark einfahren und die Fahrzeuge entsprechend der Startnummer aufzustellen. Es war schon beeindruckend so viele Offroadfahrzeuge auf einem Haufen zu sehen. Zuerst durfte sich jedes Team persönlich auf der Schlosstreppe vorstellen und schon bald ging es an die erste Sonderprüfung. Ausrüstung: Navigerät, Ersatzreifen und Sackmesser. Nachdem wir ein verschlossenes Kuvert erhalten haben und erst öffnen durften auf Kommando, ging die Sucherei los. Mit Ersatzrad im Schlosspark bewaffnet, auf Bäumen irgend welche hängende Gegenstände suchen. Leider haben wir nichts gefunden, gab auch nur 15 Minuten Zeitgutschrift.

Nach Rumänien

Nun konnte man an den Start fahren und die Uebergangsetappe nach Rumänien in Angriff nehmen. Koordinaten eingeben und los auf die Autobahn Richtung Grenze Ungarns. Hier schon das grosse Warten am Mauthaus.  Strassengebühren lösen. Vorgabe war am Sonntag 9.00 Uhr am Start in Rumänien zu sein, alles auf eigener Achse. Schönes Wetter begleitete uns durch Ungarn und wir nahmen es gemütlich. Nach der Grenze in Rumänien wieder Strassengebühren entrichten. Nach einem feinem und preiswerten Essen auf Rumänischen Boden die letzten Kilometer unter die Räder. Die Uhr noch umstellen 1 Stunde vor, ist ja Osten! Ausserhalb Timisuara erreichten wir in der Dunkelheit den vereinbarten Treffpunkt. Fast alle hatten sich schon ihr Lager errichtet und sich gemütlich gemacht. Ein letztes Bier und dann ab in den Schlafsack. In Gedanken was uns Morgen erwartet, schliefen wir unter freiem Himmel ein.

Sonderprüfung “Flussüberquerung”

Um 9.00 Uhr rief uns die berühmte Sirene zusammen um die Infos anzuhören. Aufgabe vor dem Start: über den Fluss ca. 80 m breit, eine Seilbahn zu bauen. Jedes Team für sich selbst. Vom andern Ufer auf die Seite des Camps. Niemand durfte ins Wasser fallen beim seilen. Schwimmweste fassen, Zeit 2 Stunden, Lohn 2 Stunden Zeitgutschrift (Jokerzeit). Eine Sirene erteilte den Startschuss und schon ging es ans Eingemachte. Kurze Lagebesprechung. Hanspeter wurde ans andere Ufer geschickt mit seinem Auto und dem vorher bestimmten Material. Kurt zog die Badehose und Schwimmweste an und schwamm mit einer Nylonschnur am Fuss über den Fluss. Paul und Pascal, befestigten ein 60 m Nylonseil an diese. Endlich drüben angekommen, Seil nachziehen und an die Frontwinde von HP befestigen. Gegenüber Paul und Pascal das selbe. Umlenkrolle, Sitzgurt und schon ging die Reise los. Die Fahrer koordinierten am Funk das lösen und spannen auf meine Zeichen selbständig. Nach 1 Stunde hatten wir es geschafft und die Zeitgutschrift auf unserem Konto. 

Start 1. Etappe

Kurz darauf an den eigentlichen Start, Bordkarte, Landeskarte und die letzten Infos und schon hiess es los.  Nach wenigen Hundert Metern mussten wir uns zuerst orientieren und den Schlachtplan zurecht legen. Die Startlinie hatten wir noch nicht überquert und so hiess es für uns Navigieren und Punkte setzen. Nach ca. 45 Minuten wurden die Ländys das erste Mal ins Gelände geschickt und die Reise begann. Leider nicht sehr lange, schon der erste Stau in einem Dickicht und Schlammloch.  Zwei Teams steckten vor uns fest, die ersten waren am Sägen die nächsten am Winchen. Hp und Pascal schafften es ohne Winde.

Pannenserie

Endlich freie Fahrt und schon Blechschaden am Auto von Pascal, ein Ast durchbohrte den Kotflügel. Uff, Glück gehabt, fast ausgeschieden wenn der Behälter der Bremsflüssigkeit getroffen worden wäre. Paul und ich drückten die abstehenden Äste auf die Seite, leider konnten wir nicht alle und so traf es auch noch Hp am Kotflügel. Die Stimmung war in diesem Moment ziemlich unten, was kommt noch? Aber die Reise im Dickicht ging weiter und schon bald erreichten wir den ersten Checkpoint und mit der Mitteilung wir seien die Ersten die vorbeikamen. Guten Mutes, immer mit Blick auf die Karte und am Navi, drückten die Driver auf das Gas. So gegen Mittag, schaffte es Pascal seinen 300Tdi auf die Seite zu legen. Der Anblick als Hp und ich über die Kuppe folgten löste ein Kopfschütteln bei uns aus. Völlig daneben dieses Manöver. Sie durften sich dann auch selber wieder aufstellen. Der erste Tag verlief dann einigermassen gut, trotz einigen Navigationsfehlern. Leider kurz vor Ende der Tagesfahrzeit hatte Hp noch einen Plattfuss, Ventil weg. Das geübte Team erledigte in wenigen Minuten den Reifenwechsel.

Biwak

Nachtlager suchen und die Küche in Betrieb nehmen. Mit marinierten Haxen von Hp auf den Grill schlossen wir den ersten Tag genussvoll ab. Früh morgens Tagwache und schon arbeitet das Team Hand in Hand. Hp repariert den Reifen, Pascal räumt das Nachtlager auf, Paul und ich stellen Frühstück und Lunch für den ganzen Tag bereit. Die nächsten zwei Tage verliefen recht gut. Mit wenigen Ausnahmen hatten wir einen unheimlichen Drive drauf. Beide Tage ca. 300 km im Gelände. Logisch da und dort gab es Kleinigkeiten die nicht passten. Ein Baumstamm längst unter dem Auto, über die Achse etc., was  mit der Kettensäge entfernt werden konnte. Lenkungsdämpfer ausbauen, hatte die Form einer Banane und das im steilen Gelände. Ein Bier in einer Dorfbeiz lag immer mal drin und bot unserem Gaumen etwas Abwechslung. Hatten wir bis anhin eigentlich nur trocken, staubige Strassen und Wege vor uns.

Erfolgserlebnis am Ruhetag

Am 4. Tag hiess es dann, Reparieren, Einkaufen und Diesel tanken. Wir durften das Fahrerlager von Morgens 9.00Uhr bis Abends 18.00 Uhr verlassen. Im ganzen Lager herrschte aufgeräumte und fröhliche Stimmung. Schrauben und Smalltalk,  Teile ersetzen oder einfach ausruhen, war das Tagesgeschehen. Am Abend gemeinsames Nachtessen gesponsert von der Orga. Zwischenrangliste auf Grossleinwand. Oh Freude, wir standen auf dem 5. Zwischenrang.

Start 2. Etappe

Donnerstag Morgen kam wieder Hektik auf im Fahrerlager. Der Start für die nächsten drei Tage stand kurz bevor. Wieder wird die Blackbox montiert, die Bord- und Landkarten verteilt und ab geht die Post. Nach wenigen Kilometern sich orientieren, Korridor anschauen und die Route bestimmen. Die ersten Punkte festlegen und programmieren. Die Motivation war bei uns gross nach dem Zwischenrang, das Ziel unseres Teams war neu definiert: auf das Podest! Doch leider kam es nicht so, wie wir uns vorstellten.

Navigationsfehler kosten uns Zeit

Pascal zeigte sich in diesen 2 Tagen von der schlechteren Seite. Paul, Hp und ich mussten einige Male auf die Zähne beissen, sonst  hätte das Team das Ziel niemals gemeinsam erreicht. Pannen zum Glück keine, nur Navigationsfehler en masse. Ein Beispiel: Da die Karte  sehr ungenau war, ca. 20-30 Jahre alt und erst  noch russisch, liess die Genauigkeit zu wünsche übrig. Wege die auf der Karte waren einfach zugewachsen oder man fand den Einstieg nicht. Oder diese waren durch schwere Forstfahrzeuge unpassierbar gemacht worden. Hp und ich als erstes Fahrzeug standen an einem Wegpunkt um abzuzweigen, konnten aber nicht genau sagen ist es hier oder ca. 150 Meter um den kleinen Hügel. Pascal fuhr neben uns und sagte am Funk, genau hier gehe es rein. Was uns aber sehr suspekt vorkam, geschlossenes Tor mehr oder weniger alles eingezäunt. Er wollte hier rein fahren, ohne grosse Worte lenkte er sein Landy durch die gepflegte Obstplantage auf einen Weg der in diese Richtung ging wie auf der Karte ersichtlich war. Doch das riesige Gelände war mit Stacheldraht eingezäunt. Nicht allzu lange und der Grundstückbesitzer erschien wütend, machte uns klar, dass hier kein öffentlicher Weg sei. Pascal wollte nicht glauben und suchte verbissen einen Weg. Das ganze hat uns 1.5 Stunden gekostet, viel Nerven und  Ärger. Mit Mühe fanden wir den Weg wieder nach draussen und so auf die Route die wir am Anfang nehmen wollten. Ich konnte anhand meines PC die Trackaufzeichnung anschauen, schön parallel zu unserer Irrfahrt.

Bäume versperren den Weg

Auf einer wunderschönen Offroadstrecke durch den Wald wurde unsere zügige Fahrt jäh gestoppt. Quer über den weg lagen ca. 13 Bäume und versperrten die Weiterfahrt. Kein Problem für uns, Kettensäge wieder einmal in Aktion bringen und gemeinsam den Weg frei schneiden. Doch auch solche Einsätze kosten ihre Zeit, so addiert sich einiges zusammen an nicht gefahrenen Kilometern. Am Ende des 4. Tages auf einer wunderschönen Alp, genossen wir den Sonnenuntergang im Camp. Der Zufall wollte es so - unsere Freunde vom Team Primavera stossen zu uns. Ein gemeinsamer Abend am Lagerfeuer mit viel Smalltalk und Tranksamen beschloss diesen Tag.

Sonderprüfung “Fisch”

Ende des 5. Tages hatten wir ein gemeinsames Camp an einem See. Im Ziel angekommen, wieder einmal eine sogenannte Sonderprüfung. Paul und ich haben unsere Driver dazu verknurrt. Die Aufgabe hiess, in 15 min eine Fisch herbei bringen. Pascal und HP überlegten kurz und ab ging die Post. Nach wenigen Minuten kamen die zwei wieder und hatten einen ca. 12 cm grossen Fisch. Leider hiess aber die Aufgabe, mindestens 20 cm. Kein Problem und die zwei erschienen nach wenigen Minuten mit einem ca. 30 cm langen Fisch. Diese 15 Minuten Zeitgutschrift waren auch unserem Konto. Hp musste beim Fischer dann noch einiges gut machen. So hatte dann die Whiskey Flasche bald keinen Inhalt mehr. Endlich wieder einmal unter Leuten und Freunden zu sein nach diesen Stresstagen tat wirklich gut.

Letzte Outdoor-Nacht

Paul und ich kochten noch mit den letzten Resten Spaghetti Bolognese. In der Nacht erreichte uns dann ein heftiges Gewitter und wir mussten unser Freiluft Camp fluchtartig verlassen. Morgens um halb 3 Uhr ins Auto und versuchen weiter zu schlafen. Doch leider erwies sich das Auto von Hp als nicht allzu dicht, alle paar Minuten ran ein kleines Bächlein in den Nacken.

Ins Ziel

Der letzte Tag zeigte sich wieder von der schönsten Seite und es hiess laut Orga das Ziel dürfe nicht vor 16.00 Uhr erreicht werden. Zusätzlich erhielten wir noch Infos und ein Roadbook  für die Stadt Medias. Also bei Sonne wieder an den Start und die letzte Etappe in Angriff nehmend verliessen wir das Lager. Der Stress mit Pascal hörte nicht auf. Mit dem Ziel vor Augen beschlossen Hp und ich, auf die Zähne zu beissen. Endlich das Ziel erreicht und mit dem Roadbook in die Stadtmitte eingefahren. Ein grosser Platz und viele Zuschauer empfingen die Teilnehmer winkend und klatschend. Die Orga unterliess nichts, Bühne, Rampe, Grossleinwand, Festzelt etc.  Jedes Team musste über die Rampe fahren und oben wurden Sie noch über die Erlebnisse und Eindrücke befragt (mit Dolmetscher) Das Hotel gleich am Platz, der Parkplatz war bewacht und schon beim Start wusste jedes Team welche Zimmernummer es hat, stand in der Doku-Mappe. Die Teilnehmer wurden verpflegt mit Ochs am Spiess,  Salat etc. Bier und Getränke frei. Die Orga liess sich einiges Einfallen zur Siegerehrung. Zwei Live Bands, Wahl der Miss SuperKarpata und eine sehr würdige Siegerehrung mit ca. 5000 Zuschauern. 

Fazit

Eine super Organisation, Trophy vom Feinsten was man fahren kann. Navigation, Karten lesen und Taktik stehen im Vordergrund. Fahrer und Fahrzeug eher zweitrangig. Landschaft und Bevölkerung einmalig. Erlebnisse und Eindrücke die uns lange begleiten. Teamspirit ist sehr wichtig und muss funktionieren. Hp und Paul sind einmalige Partner.

  • 4220 Kilometer in 10 Tagen
  • ca. 600 Liter Diesel
  • ca. 1000.- Franken Auslagen/Person
  • Kotflügel vorne und oben defekt (Pascal)
  • Lenkungsdämpfer hinüber (Pascal)
  • sämtliche Lampen am Auto defekt (Pascal)
  • Lager Vorderachse zerstört (Pascal)
  • Reifen repariert (Hp)
  • Radlager und Büchsen Vorderachse hinüber (Hp)
  • Kotflügel defekt (Hp)

Mein grosser Dank geht an das Team, vor allem aber an meine Freundin Sue für die grosse Unterstützung, sowie an Dani Hotz für die Berichterstattung. Auch an alle Mitglieder vom LRoS die mit uns mitgefiebert haben.