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Griechenland 2004

Autor: Chrigu von Ballmoos • 2004

Nach mehrjähriger Griechenland Abstinenz zog es uns diesen Herbst wieder einmal in den Süden des Balkans.

über Ancona noch Meteora

Mit 2 Dachzelten auf unserem LR 110 und hinten mit diversen, angeschriebenen Kunststoffkisten bepackt, starteten wir unsere Reise. Die Schifffahrt von Ancona nach Nordgriechenland war sehr angenehm und dauerte ca. 19 Stunden. Schon am früheren Morgen erreichten wir Igoumenitsa und fuhren noch am gleichen Tag über den Katara-Pass bis nach Meteora um die berühmten Klöster zu besichtigen.

Nur schade dass dort trotz UNESCO Kulturerbe die nackten Felsen in unmittelbarer Nähe der Klöster von vielen Kletterer und Seilschaften als Spielwiese missbraucht werden.

Von Kalambaka bis hinunter nach Lamia durchfuhren wir grosse, fruchtbare Ebenen auf denen Mais und Baumwolle die Landschaft prägten.

Nach einem Abstecher auf die Insel Evia mit ihren schönen Fichtenwälder im Norden erreichten wir bei Halkida wieder das griechische Festland.

Der Verkehr nahm nun merklich zu, und je näher wir Athen kamen desto hektischer wurde unsere Fahrt. Auf die olympischen Spiele hin wurde eine neue Autobahn mitten durch das Häusermehr nach Südost gebaut. Wir waren sehr positiv überrascht wie schnell man jetzt diese Weltstadt durchqueren kann, ohne im Stau stecken zu bleiben.

Kap Sounion mit dem Tempel über dem Meer war unser nächstes Ziel. Hier liessen wir für zwei Tage unseren Ländy stehen und fuhren per Bus in die Hauptstadt.

Olympiade in Athen

Anschauen der Altstadt, Akropolis, Flohmarkt, Regierungsgebäude mit Wachtablösung, bummeln und Eiscreme essen waren die Hauptbeschäftigungen am ersten heissen Tag.

Mit der neuen U-Bahn fuhren wir dann tags darauf zum Olympiagelände, um an den Paralympics mit dabei sein zu können. Diese einmalige Gelegenheit durften wir uns nicht entgehen lassen, und wir waren überwältigt von der Grösse und Organisation dieser Spiele.

Mit Tausenden von Schulkindern teilten wir uns die Tribünen und schauten gespannt den Spitzenatlehten zu. Verschiedene Siegerehrungen, vor allem 1x Gold und 2x Silber der Schweizer Mannschaft konnten wir live mitverfolgen.

Leider wurde in unseren Augen diese überragenden Leistungen der teilnehmenden Athleten nicht gebührend gewürdigt, denn die Pressetribühne war leer und international schien wenig Interesse dagewesen zu sein.

Mit dem Fernglas bewaffnet konnte man dem Treiben in der Arena genau folgen und die Zeit ging wie im Flug vorbei. Mitte Nachmittag wurde wahrscheinlich der Hitze wegen eine längere Wettkampfpause eingelegt, und wir mussten uns leider schon wieder auf die Rückreise zum Kap Sounion aufmachen.

In ganz Athen und den umliegenden Vororten wurde unheimlich viel in die Infrastruktur investiert und der öffentliche Verkehr sehr zum nutzen der Bevölkerung ausgebaut.

Hier wurden wir belehrt, dass der Privatverkehr mit geraden und ungeraden Nummernschilder halbiert, und Diesel betriebene Privatfahrzeuge (ausgenom-men Touristen) in der Stadt nicht geduldet werden. Alte Benzinschleudern sind jedoch zugelassen!

Verständlich, wenn an heissen Tagen von der Akropolis auf die Smog-Wolke herab geschaut werden musste.

Pelepones

Beim Kanal von Korinth bemerkten wir, dass seit unserem letzten Aufenthalt hier wieder eine Brücke mehr gebaut, und die freie Sicht auf die 6 Kilometer lange Wasserstrasse etwas mehr beeinträchtigt wurde.

Meine Kinder drängten jetzt langsam, endlich an einen Strand zu fahren um auch dem Badevergnügen Rechnung zu tragen.

Bis es aber so weit war durchfuhren wir noch Argolien mit dem berühmten Theater von Epidauros.

Das Parnonas Gebirge weiter im Süden des Pelepones mit den engen Strassen gefiel uns besonders gut und lässt sich natürlich mit unserem Gefährt optimal bereisen.

In Githio war es dann endlich soweit und Sévérine konnte Schnorchel und Flossen zum Einsatz bringen.

Für Nicolas und mich war aber der Strand mit dem Kies zu wenig einladend und wir beabsichtigten eine Tour in die äussere Mani zu unternehmen. Auch hier wurde in den letzten Jahren sehr viel in den Strassenbau investiert und auf der Umfahrungsroute waren nur Teerstrassen anzutreffen.

Bei einer Tankstelle in der Gegend wurden wir plötzlich wie aus heiterem Himmel von Auslandschweizern begrüsst.

Wir trauten unseren Augen nicht, denn diese Familie war bis vor ein paar Jahren Mitglied des Land-Rovers of Switzerland.

Freudig wurden Neuigkeiten ausgetauscht und auf unseren Campingplatz verwiesen, um am Abend noch einmal zusammen zu kommen.

Der unterste Zipfel der Mani-Halbinsel ist sehr karg und gebirgig. Die abgelegenen Dörfer mit den Wehrtürmen aus vergangener Zeit wurden überall renoviert und für Ferienzwecke oder Zweitwohnungen hergerichtet.

Ganz im Süden von Lakonien fanden wir auf der Insel Elafonisos unser Bade Paradies mit feinem Sand und klarem, warmen Wasser.

Leider schloss hier der Camping schon Ende September und die Gäste wurden auf andere Plätze weiter nördlich verwiesen. Schade, denn zum freien Campen wurde so geradewegs animiert. Trotz Verbot und Bussenandrohung sah man überall in den Schilfgürteln grosse Camper stehen, oder Hinterlassenschaften jeglicher Art versauten die Strände.

Uns zog es noch einmal zurück nach Githio zu unseren Schweizer Bekannten. Auf ihrem Hof wurden wir sehr freundschaftlich empfangen und wir durften ein paar Tage bei ihnen verbringen.

Schwierige Verhältnisse

Es war äusserst interessant zu erfahren wie man hier 1:1 lebt und mit welchen Schwierigkeiten oder Erleichterungen gegenüber der Schweiz umgegangen wird.

Für Land-Rover Besitzer ist es schwierig und sehr teuer ein solches Fahrzeug (vor allem Serie-Fahrzeuge oder Defender) zu besitzen und zu betreiben. (Gesetzliche Auflagen und sehr hohe Steuern!) Auch der Familie Wüthrich wurde das zum Verhängnis und sie mussten ihren geliebten Defender verkaufen.

Im Landesinnern sind sehr viele Nebenstrassen immer noch als Naturstrasse oder Pisten ausgebildet und lassen einem als Off-Roader das Herz höher schlagen. Verbote diesbezüglich gibt es keine, solange nicht Privateigentum verletzt wird.

Wer seine Ferien mit Off-Road gestalten möchte ohne gerade nach Nordafrika zu fahren, findet hier volle Alternativen und Abwechslung pur.

Die Ueberfahrt nach Kalamata über das Taigetos-Gebirge auf Naturstrassen war ein weiteres Erlebnis. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an die Familie Wüthrich für das Road-Book und die vielen Tipps für Griechenland.

Von früheren Reisen her kannten wir verschiedene schöne Strände, die wir jetzt auf der Heimreise bis nach Patras ansteuerten. Die warmen Temperaturen und der verlängerte Sommer konnten noch einmal so richtig genossen werden.

Schön wars.

Für Off-Road Interessierte Leserinnen und Leser bin ich gerne bereit ein Treffen (Ferienbedingt) im Süden des Pelepones mit der Familie Wüthrich zu koordinieren.

Christian von Ballmoos