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Algerienreise 1. Februar - 1. März 2003

Autoren: Alex Burgunder, Jürg Bohnenblust, Erich Hess und Christian von Ballmoos

Top motiviert und sehr gut vorbereitet starteten wir unsere kleine Expedition am 01.02.03 in Richtung Genua. Das übliche Szenario wie wir es von den vorderen Reisen kannten - und schon befanden wir uns auf der "Cartago".

Der afrikanische Kontinent erwartete uns mit Regenwetter und kühlem Wind. Kurzerhand entschlossen wir uns, die Ländis aufzutanken und gleich in Richtung Kairouan abzufahren. Es war noch nicht so spät und auf unseren Fahrplan können wir gut ein paar Stunden vorholen. Der Regen in unterschiedlicher Intensität begleitete uns weite Strecken und die Strassen in manchen Dörfern glichen mehr einem Müllbach. Es war schon finster als wir in Kairouan unser Hotel fanden.

Algerien, wir kommen!

Die algerische Grenze erreichten wir am nächsten Nachmittag, so dass wir mit wenigen Touristen zusammen unsere Einreiseformalitäten innerhalb kurzer Zeit erledigen konnten.

Nicht enden wollende Teerstrassen in Richtung Süden mussten hinter uns gebracht und ein grosses Stück in die Sahara eingedrungen werden, ehe wir unseren Einstieg in Richtung Amguid angehen konnten.

Etliche Militär- und Polizeikontrollen waren zu passieren, denn die angespannte, politische Situation war allgegenwärtig zu spüren. Wir wurden jedoch überall freundlich und zuvorkommend behandelt.

Endlich waren wir alleine auf weiter Flur und unsere Reise konnte so richtig beginnen.

Weite, bis zum Horizont reichende Ebenen vor uns, Sanddünen von mittlerer Grösse seitlich in der Ferne und zwischendurch einzelne Akazien waren unsere Begleiter.

Amguid inmitten einer baumbewachsenen Ebene und nahe liegenden Berge, sowie das Erg Amguid auf der westlichen Seite hinterliess bei uns einen düsteren Eindruck. Die paar Leute mit den vielen Kindern dort weit draussen, taten uns leid, wenn man die Zukunftsaussichten dieser Bewohner bedenkte.

im Tassili Najjer

In weitem Bogen ging es nun Richtung Ost, dem Tassili Najjer entgegen. Nur ganz langsam spürte man dieses spezielle Gebirge, das sich ca. 700 Km in der Länge und 200 Km in der Breite vor uns allmählich ausbreitete. Die ganze Strecke bis Bordj el Haoués konnte ohne Probleme befahren werden und wir näherten uns diesem Ort in flottem Tempo. Dieses Dorf veränderte sich in den letzten Jahren dermassen, dass Trottoirs mit Strassenbeleuchtung bereits zum Standard gehören. Viele Touareg waren auf der Strasse und beobachteten uns Fremdlinge aus den Augenwinkeln. Bei dem obligaten Besuch der Passkontrolle wurde uns sogleich das Ticket für den Tassili-Nationalpark verkauft.

Die nächsten zwei Tage bewegten wir uns in diesem riesigen Gebirgslabyrint und fanden schöne, ruhige Plätzchen ohne irgendwie belangt zu werden. Wir waren jedoch immer sehr bedacht, abseits und nicht einsehbar von einer Piste zu übernachten. Kleine Wäsche und ausspannen, sowie die nähere Umgebung zu Fuss auszukundschaften, waren hier unsere Beschäftigungen. Zu Fuss unterwegs gibt einem plötzlich wieder das Gefühl sehr klein und hilflos in dieser faszinierenden Welt zu sein!

Djanet-Schmugglerpiste-Tamanresset

Das nicht mehr weit entfernte Djanet war unser nächstes Ziel. Eine grössere Geländewagen-Dichte als hier haben wir vorher noch nirgends gesehen. Land Cruiser und alte Landrover Serie II und III überall. Die Tanksäule gab alles her, und der Tankwart meinte, mit unserem Treibstoffvorrat könnten wir bis Kamerun fahren !

Waschen, Auto misten und Musse, sowie nach Hause anrufen standen hier auf dem Programm. Ein Schlachtfest tags darauf liess uns jedoch die Oase verlassen, denn das Schächten der vielen Schafe wollten wir uns nicht ansehen.

Wir fuhren nun durch das Erg Admir in einem weiten südlichen Bogen auf der "Schmugglerpiste" nach Tamanrasset. Es gibt verschiedene Fahrmöglichkeiten auf den nicht markierte Pisten. Wichtig ist, dass gutes Kartenmaterial (IGN 1:500000) und GPS dabei sind, um von Zeit zu Zeit Positions- und Zielbestimmungen machen zu können. Wir passierten einen mit bewaffneten Polizisten begleitenden Konvoi; für uns blieb es jedoch zum Glück nur beim Sichtkontakt. Gemäss Reiseführer sollen in dieser Gegend vom Niger her Schmuggeltransporte oder sonst irgendwelche Geschäfte von statten gehen. Wir wurden jedoch nicht belangt oder irgendwie an unserer Reise gehindert.

Durch schöne lange Gebirgstäler mit vielen weidenden Kamelherden kamen wir langsam gegen Westen. Der viele Regen in der Vergangenheit hinterliess auch hier seine Spuren, sei es in Form von der ungewohnt blühenden Vegetation, oder dem vielen angeschwemmten Holz in den schon wieder ausgetrockneten Flussbetten.

In Tamanrasset besorgten wir uns zuerst Gemüse auf dem Markt. Die Plastikhütten und der viele Dreck überall, sowie auch die vielen armen Leute gaben ein trauriges Bild in den Verkaufsständen, und wir waren froh, mit dem Nötigsten den Campingplatz aufsuchen zu können.

Seit ich Mitte der achtziger Jahre hier war, kann der Eindruck nicht täuschen, dass in diesen 17 Jahren die Touareg immer weiter zurück an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Rings um die Stadt wird sehr rege gebaut und der Ort vergrössert sich unaufhaltsam. Die Wasserversorgung sowie die restliche Infrastruktur sind sicher schier unlösbare Probleme, und stellen eine ganz spezielle Herausforderung an die Behörden.

Assakrem

Unsere Reise führte uns weiter in nordöstliche Richtung ins Hoggargebirge und auf den Assakrem. Das Wetter war uns leider nicht so gut gesinnt und bewölkter Himmel mit viel Wind begleitete uns. Unterwegs trafen wir auf wasserreiche Gueltas, leider zum Teil auch mit Tourismusmüll versaut. Die Piste war relativ gut zu befahren und trotz der Steilheit kein wirkliches Problem für uns.

Auf 2780m. ü. M. genossen wir die grossartige Aussicht zuoberst auf dem Assakrem. Wir waren beinahe alleine und nur wenige Touristen bemühten sich an diesem Tag zum Eremitage du P. de Foucauld. Regnerisches Wetter mit kaltem Wind liess uns aber nicht lange dort oben stehen und kurzerhand ging die Fahrt weiter in Richtung Hirafok. Die Gebirgspiste wurde aber in der letzten Zeit von den Regenfällen sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Zum Teil mussten die weggespülten Passagen halsbrecherisch umfahren werden, oder Abfahrten in Geröllhalden mit gefährlichem Gefälle hinter uns gebracht werden. Zum Glück regnete es gerade nicht und die Steine waren wenigstens nicht glitschig!

Ueber Hirafok und Idelés fuhren wir auf guten Pisten wieder in Richtung Soreuenout und Bordj el Haoués. Ein irrtümlicher Positionseintrag auf unserem GPS kostete uns jedoch eine unfreiwillige Irrfahrt. Mit Toleranz und ein paar erklärenden Worten konnten wir unsere gute Stimmung jedoch beibehalten und der Fehler korrigiert werden.

Weiter nördlich bei Tinterhert bestaunten wir später die grosse Felsplatte mit den schönen Tiergravuren.

Kein Durchkommen im  Vadi Imrouh

Nach Problemen mit der Kupplung und Störungen auf dem Elektrosystem warfen wir das Handtuch und kehrten um. Es war einfach kein Durchkommen, denn der Wasserstand war eindeutig zu hoch und wir wollten unsere Fahrzeuge nicht ruinieren, so waren wir doch noch über 100 Km von der nächsten Ortschaft entfernt. Die faszinierende Umgebung mit den abendlichen Stimmungsbilder entschädigte uns aber und liess die Schufterei etwas in den Hintergrund rücken. Zum Glück war das Wetter wieder gut und der Wasserstand stieg nicht weiter an.

Bis nach Illizi durchquerten wir jetzt das Plateau Fadnoun auf der neuen Teerstrasse, und benötigten nur gerade ein paar Stunden, um diese tödliche Einöde mit den schwarzen Steinen hinter uns zu lassen. Auch in dieser Stadt waren mehrheitlich Araber zu sehen und der Eindruck täuschte auch hier nicht, dass die Touareg nur eine kleine Rolle in dieser Gesellschaft spielen.

Um an den Ländis zu schrauben, und unsere Sachen wieder in Ordnung bringen zu können, kam uns der Campingplatz sehr gelegen. Die sanitären Einrichtungen liessen jedoch entgegen dem Reiseführer sehr zu wünschen übrig; trotzdem waren wir froh, wieder unter Leuten zu sein. Hier lernten wir weitere Schweizer kennen und tauschten Infos sowie Erfahrungen unserer Reise aus. Später - wieder zu Hause - stellte sich leider heraus, dass genau diese Gruppe einer Entführung zum Opfer gefallen war !!

Nachdem unsere Fahrzeuge wieder flott waren, begaben wir uns auf den letzten Off-Road Teil unserer Reise.

Gräberpiste

Die Gräberpiste mit einer Totallänge von über 600 Km. stand vor uns. Ohne auf eine Siedlung oder grössere Menschenansammlung zu stossen, fuhren wir diese sehr schöne und abwechslungsreiche Strecke in Richtung Westen. Rechterhand das Erg Isaouane, und links dem Plateau Fadnoun folgend, ging es über weite Teile auf gut befahrbarem Untergrund. Die Orientierung war nicht sonderlich schwierig und wir genossen die Umgebung. Wie eine grosse Barriere stand plötzlich eine langgezogene Sanddüne vor uns welche ins Oued Samene hinein lief. Um die defekte Kupplung zu schonen entschlossen wir uns, zuerst dieses Hindernis südwärts zu umfahren. Spuren folgend, und immer auf einen Dünen-Uebergang Ausschau haltend, ging es aber nur langsam vorwärts. Hier wurden wir ungewollt beobachtet, was sich erst später auf einem Dia beim genaueren Hinsehen herausstellte.

Alex sei Dank, kehrten wir nach einer Weile um und passierten den Dünenkamm weiter nördlich auf der "Hauptpiste".

Hier in dieser Gegend wurde das Auto der vermissten Schweizer gefunden! Wer weiss, was hier etwas später mit uns passiert wäre ohne unsere Umkehr....... !?

Eine weitere Weichsand-Passage beim Gara Konfussa war unser letztes Hindernis, das aber der vielen Fahrspuren wegen kaum verpasst werden konnte.

Ohne Probleme und mit vielen guten Eindrücken erreichten wir Tags darauf die Oase Bordi Omar Driss und somit die endlose Teerstrasse in den Norden.

Fazit

Etwas über 7000 Km total, davon 2800 Km Off-Road mit allen Schikanen waren zu befahren. Wir lernten erneut einen grossen Teil Nordafrikas mit seinen Bewohnern und vor allem die topographischen Schönheiten kennen. Der Tourismus war gerade wieder im Wachsen begriffen, und wird jetzt durch diese Ueberfälle auf Europäer erneut zurückgeworfen.

Schade!

Christian von Ballmoos