Deutsch
Français
English

Land Rover Cup Prestice • 2004

Text + Bilder: Joachim von Carnach

Da die kleinen Buben am Freitagmorgen noch in der Schule waren, traf ich mich erst um drei mit Berry van Donkelaar (90er Td5) und Richard Stolz (Discovery) kurz vor dem Zoll in St. Margrethen. Mit von der Partie waren noch Berrys Frau Anja sowie bei Richard im Auto sein Bruder Thomas, Dres Brändle und Sepp Näf, beide Noch-Nicht-Mitglieder. Der Stop-and-go-Verkehr durch Bregenz kostete uns fast eine Stunde, aber danach ging es mit gemütlichen 110 km/h durchs Allgäu und Oberbayern Richtung tschechische Grenze bei Deggendorf. Bis auf einen kleinen Abstecher in die Münchener Innenstadt in der Freitagabend-rush-hour (Ich war voraus gefahren und bin irgendwie von der Autobahnumfahrung abgekommen) ging alles prima. Gegen sieben am Abend mussten Tanks und Mägen gefüllt und andere Reservoirs entleert werden. An dem Autohof etwa eine Stunde vor dem Zoll machten wir eine wichtige Erfahrung: Iss nicht für sechs Euro in D etwas, das Du eine Stunde später für zwei Euro in der tschechischen Republik bekommen kannst! (Gulasch mit Knödel zwei Euro, Schnitzel-Pommes drei Euro). Der früher so gefürchtete eiserne Vorhang war nur noch eine Formalität. Die ersten zwanzig Kilometer in Tschechien war die Strasse gesäumt von Cabarets, Night-Clubs und ähnlichen Rotlicht-Etablissements, dazwischen Buden, die Gartenzwerge, Briefkästen, Vogelhäuschen und Rosenkugeln verkauften.

Gegen halb elf Uhr nachts trafen wir bei dem Schiessclub in Prestice ein, wo uns der Organisator David Rohac schon erwartete. Es herrschte schon ein reger Betrieb, ein Feuer loderte im Kamin und viel Leute sassen im Kreis darumherum. Zuerst einmal ein kaltes Bier! Die erste Runde spendierte ich. Dabei entdeckten wir eine Merkwürdigkeit des dortigen Systems: Man zahlt nicht bei jeder Konsumation, sondern bekommt einen Zettel mit einer Nummer, worauf Striche gemacht werden, bezahlt wird erst am Schluss. Erst als im Laufe des Abends die Barkeeper meinen Zettel immer öfter verlangten, kam ich drauf, dass ich bis dahin nicht nur die erste Runde, sondern alles bisherige der Schweizer Delegation auf meinem Zettel hatte. Die Burschen hatten sich wirklich Mühe gegeben! (Preisbeispiele: Kleines Bier 75 Rp., grosses Bier 1.50 Sfrs, einheimischer Schnaps 75 Rp., ausländischer 1.50 Sfrs, Steak mit Brot 5.-)

So war es finanziell noch zu verkraften, aber ich schaute dann doch, dass jeder seinen eigenen Zettel bekam. Dazwischen stellte ich noch mit den Buben das Zelt auf, sie waren recht müde. Entgegen ihren Wünschen suchte ich ihnen einen Platz am Rand der Wiese aus, das war auch gut so, denn alle die ihre Zelte auf der flachen Wiese aufgebaut hatten, mussten am nächsten Morgen umziehen, die Zelte standen alle mitten in der Schussbahn!

Einen Riesenerfolg erzielte ich mit "meinen" Schweizer-Armee-Klapp-Laternen, besonders als ich behauptete, der Schweizersoldat müsse sie blind zusammenbauen können, ist ja logisch, ohne Laterne kein Licht! Es war ein herrliches Bild, wie die ganzen m.o.w. besoffenen Leute sich mit zusammengekniffenen Augen an den Kerzenlaternen versuchten.

Kommunikation mit den Tschechen war ein grösseres Problem, die allermeisten konnten weder englisch noch deutsch, aber mit etwas gutem Willen und Gesten bekam man meistens was man wollte.

Um zwei Uhr früh kam noch eine Gruppe von Engländern mit einem offenen Serien-Landy an, sie waren am vorherigen Morgen mit der Fähre in Hamburg gelandet. Die im Vergleich zu GB sehr günstigen Preise steigerten ihren Durst ins Unstillbare, alle vier waren im Morgengrauen sturzbesoffen aber auch etliche Eingeborene hatten schwer getankt. Gegen halb fünf Uhr früh, es war schon hell am Horizont, verkroch ich mich in meinen Schlafsack im Heck von "Long John".

Als mich um halb acht die zarten Stimmchen meiner lieben Kleinen weckten, dachte ich aus unerfindlichen Gründen an Kindermord. Die Kinder waren wegen einer wüsten Schlägerei, die unter den Engländern ausgebrochen war (mittlerweile lagen aber alle vier komatös kreuz und quer übereinander in ihrem Zelt), etwas verstört, aber mit einer heissen Schokolade und Cornflakes konnte ich sie beruhigen. Auch Thomas Stolz und mir tat ein Medizinalkaffee (Nescafé mit einer starken Dosis Moorhuhnextrakt) gut, auch Richard und Anja bekamen einen, als sie kurz später auftauchten.

Unterdessen belebte sich der Platz zusehends, es kamen immer mehr tschechische Land Rover an, meistens ältere Serienfahrzeuge. David Rohac, der den Anlass zum dritten Mal organisierte, war sehr stolz. Von den dreissig Fahrzeugen waren ein Drittel aus dem Ausland, neben den drei CH-Landies war ein Münchner Range (Besitzer Pole, seine Freundin Irin), ein Defender 110 und ein Disco aus Ungarn sowie drei in GB immatrikulierte LR's da. Aber nur die schon oben erwähnten waren direkt gekommen, die Besitzer der zwei anderen arbeiten in Grafenwörth im Bayerischen Wald. Auch der Freelander mit den Niederländer Schildern kam aus Pilsen, der Besitzer war mit einer Tschechin verheiratet.

Extra für uns wurde ein reichhaltiges Frühstück herbeigeschafft. Sepp und Dres, die ihr Zelt unter Dach, im Schützenhaus aufgebaut hatten, mussten leider geweckt werden, sie waren erst nach mir ins Bett gekommen und hätten soo gerne noch etwas geschlafen. Um elf Uhr begann dann das Schiessen. Erste Disziplin war die CZ 75, eine 9-mm Pistole. Es schossen immer Fünfer-Gruppen miteinander, immer die gleiche Gruppe während des ganzen Turniers. Pistole geschossen hatte ich seit mindestens zehn Jahren nicht mehr, so gab ich mir auch nicht allzuviel Mühe, doch die vier wieder erwachten Engländer in meiner Gruppe waren viel schlimmer dran als ich, sie konnten kaum gerade gehen geschweige denn schiessen, war für einige unter den 48 Teilnehmern überhaupt das erste Mal. Zehn Schuss stehend auf 25 m ohne Probeschuss, so erstaunten niemanden die zahlreichen Nuller. Einer meiner Gruppenkollegen hatte die Scheibe total verschont. Schon eher erstaunte mich mein vierter Rang mit der Pistole, hätte ich mir doch mehr Mühe gegeben!

Als alle Schütz/Innen durch waren, wurde umgestellt, dann kam die nächste Disziplin, tschchschs (e,i,e nach Belieben einfügen) Sturmgewehr 58, eine stark verbesserte Kopie der AK 47, 7.62 x 39 mm, alle Blechprägeteile der Kalashnikov hier aus dem vollen Stahl gefräst. Zum Glück war meine Gruppe erst die Dritte, und da ich, wie auch alle anderen Eidgenossen, meinen Gehörschutz dabei hatte, konnte ich schon vorher zuschauen wie es ging. 10 Schuss halbautomatisch, liegend auf 50 m, die ersten zwei Schuss hauten mir einfach so ab, aber trotz der zwei Nuller kam ich noch auf 72/100 Punkte und war recht zufrieden. Den anderen Schweizern ging es in dieser Disziplin viel besser.

Die Pump-Action war passenderweise eine Winchester Defender, fünf Schuss auf sehr kurze Distanz auf Metallklappscheiben, die sechste Scheibe trug ein T-Shirt und war tabu. Die Zeit wurde dabei gestoppt. Zwar traf ich alle, aber mit fast 10 Sekunden war ich doppelt so langsam wie der schnellste, einer vom lokalen Schiessklub. Bei ihm konnte man das Repetiergeräusch nicht aus dem Schussknall heraushören. Etliche hatten Mühe, auch die zierliche Anja, die das lange Gewehr fast nicht in den Anschlag bekam. Aus Zeitgründen musste leider auf das Schiessen mit der Vorderladerpistole verzichtet werden, es war schon recht spät.

Dafür ging es im Konvoi ein wenig über Feldwege zu einem kleinen Hügel, wo die Autos zum Gruppenbild arrangiert wurden. Anschliessend wurde ein kleines Hindernisfahren durchgeführt, es war eine komische Mischung aus Gymkhana, Trial und Zeitfahren. Es wurden die üblichen Fehler gewertet (Stange berühren etc.), dazu musste ein volles Wasserglas ohne Verluste von A nach B gebracht, mit den Rädern auf zwei Baumstämmen balanciert und am Schluss noch mit beiden Hinterrädern drei Sekunden auf einem Balken stehengeblieben werden.

Bei der Auswertung des Wettfahrens muss den Organisatoren ein Fehler unterlaufen sein, vermutlich haben sie meine Fehlerpunkte durch (Radstand x Gesamtgewicht) dividiert, denn zu meiner Überraschung wurde "Long John" dritter in der Wertung. Bei der Preisverleihung bekam Brändle Andreas ein Diplom für den vierten Platz in der Gesamtwertung des Schiessens, die Ehre der Tellensöhne war gerettet, insbesondere weil zwei der drei vor ihm placierten Mitglieder des Presticer Schiessclubs waren, Lokalmatadoren sozusagen.

Der Abend wurde ähnlich feuchtfröhlich wie der vergangene, lediglich die vier Engländer hielten sich wegen der bevorstehenden langen Fahrt etwas im Zaum. Ein grandioses Feuerwerk beschloss den Abend. Irgendwie sind die Nächte im Osten kürzer als in der Schweiz, es war schon wieder vier Uhr bevor ich schlafen gehen konnte.

Gegen elf Uhr am Sonntag kamen wir los, nach allgemeinen Verabschiedungen ging es zügig erst zur nächsten Tankstelle (24 CzKr / L Diesel sind etwa 1.20 Sfr) und dann weiter auf der gleichen Route Richtung Schweiz. Langsam rächte sich mein Schlafmanko, auch war ich schon dabei, dies was Ihr hier lest, im Kopf zu schreiben, schon in der Nähe von Zwiesel und dann wieder bei München fuhr ich zweimal in die Irre. Ich war sehr froh, dass Berry und Anja daraufhin die Führung übernahmen und uns quer durch Bayern's Pampa wieder auf die Lindauer Autobahn lotsten. Ich verabschiedete mich schon an der Raststätte noch in Deutschland. Nach dem Zoll in St. Margrethen mussten die anderen tanken aber wir fuhren ohne anzuhalten auf dem schnellsten Weg nach Hause, wo wir um viertel nach neun ankamen.

Zum Abschluss noch die Frage, ob sich die 2 x 11 Std. Autofahrt gelohnt haben, um 36 h auf einem Schiessplatz zu verbringen? Unbedingt, meine ich!
Der nächste Land Rover Cup in Prestice findet am 18.6.2005 statt. (Ich bin schon angemeldet, als erster, wie mir David Rohac sagte.)

JvC

 

Links zum Thema