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Breuil Cervinia • 2003

Text: Joachim von Cranach
Fotos: Jürg Schwengeler

Fast pünktlich kurz nach neun kamen Jürg und sein Freund Thomas mit 'Balou' (Slll 88") am Freitagmorgen bei uns an und wir konnten starten, die Kinder sassen schon seit halb neun im Auto, 'Long John' (130" Td5 DC). Kandertal, Lötschbergtunnel, Rhonetal-Autobahn, kurz vor Mittag trafen wir uns in Martigny mit Steve, einem Engländer (Slla 88"), der am French National beschlossen hatte, mit uns zu fahren. Geschicktes Charmieren von Jürg mit dem italienischen Grenzer lenkte diesen von uns ab, das war auch gut so, denn Patrick, ein Nachbarskind, hatte keine Papiere dabei, weil er noch nie im Ausland gewesen war. (Elisabeth und Christian waren nicht mit.)

Am Gletschersee gerade hinter der Grenze machten wir Rast, es pfiff ein bitterkalter Wind. Im Aostatal unten war es dafür drückend heiss und alles stank leicht nach Müll. Auf einmal war der Konvoi, den ich anführte, um ein viertes Auto angewachsen, ein 110''er aus Augsburg.

Auf dem Tunneleingang vor Cervinia sahen wir schon von weitem den orangen, pardon tangerine-roten G4 Disco von Alan MeCorquadale, auch er hatte schon Bilder von 'Long John' gesehen, erstes Begrüssungshupen. Oben im Biwak wartete Anette von Flottwell (Stage One V8, umgerüstet auf LPG, das wird noch wichtig werden!) schon sehnsüchtig auf 'ihre' Kardanwelle, wir hatten am Abend vorher mehrmals deswegen miteinander telephoniert. Wie ein Jagdhund tauchte sie in meinen Kofferraum und mit der Welle unter ihr Auto. Bevor wir unsere zwei Zelte aufgebaut und eingerichtet hatten, war der Kardan gewechselt.

Danach fuhr Jürg uns ins Dorf, einkaufen, ich kochte aus drei Kilo Reis, einem Kilo Zwiebeln, etwa einem halben Kilo getrockneten Steinpilzen und einem Kilo Grana Padano ein Risotto, der grosse Topf war randvoll! Bis das Essen fertig war, waren auch schon Roger Rubin (Stage One V8) ,Brunschwilers (110''er) und Stoffi Züger (110 Td5) angekommen, unsere drei italienischen Nachbarn aus San Remo (110er Td5) assen auch mit uns, den genauen Überblick hatte ich schon verloren, es war jedenfalls eine sehr lange Tafel. Immer wieder kamen Freunde und Bekannte aus ganz Europa, Finnenkerze, Lagerfeuer, es wurde ein sehr langer Abend!

Wegen der Erfahrungen vom letzten Jahr (Roger leidet noch immer an einer akuten Freelanderphobie) und auf Anraten von Fabio Bich wollten wir am Samstagmorgen so früh wie möglich auf die Strecke, daher setzte ich einen Preis aus für das Kind, das mich weckte. Am nächsten Morgen, strahlender Sonnenschein, Matterhorn bis zum Gipfel sichtbar (A propos, am Bergsturz vom nächsten Tag sind wir absolut unbeteiligt!), verblüffte Steve Jürg und mich mit folgender Frage: Glaubt Ihr, dass der Geländegang genügt oder sollte ich noch den Allradantrieb einschalten?

Unsere Selbstbeherrschung war mustergültig, unser Gelächter war kaum zu hören. Mit vier Landies, Steven allein, Roger, Jürg mit Thomas und Christoph (zu faul, das Dachzelt abzubauen), Annette mit Rebecca als Navigatorin und wir zu viert in 'Long John', machten wir uns auf den Weg. Leider war Annettes LPG-V8er der Höhenluft nicht gewachsen, bei etwa 2400 M.ü.M. liessen wir ihn stehen, Annette stieg um zu Roger und Rebecca stieg mir im wahrsten Sinne des Wortes aufs Dach. Die Piste war leer, wir kamen jetzt auch gut voran, fanden sogar noch ein Schneefeld um die Landies zu photographieren- letztes Jahr waren an dem Ort noch vier Meter Schnee gelegen; Picnic zu Mittag. Auf dem Scheitelpunkt der Strecke hatten Fabio und Co. einen kleinen Trial ausgesteckt, zu selektiv für meinen neuen 130"er. Da die Kinder nach fast vier Stunden langsam unruhig wurden, liess ich die anderen beim Trial und wir fuhren weiter. Etwa um drei waren wir wieder im Camp, ich packte meine Surplus-Artikel und den Club-Souvenirshop ein und fuhr zum Empfang, wo allerhand Stände waren. Wenig Umsatz.

Familie Kopp (SIIA 88"), die ihren Klappzeltanhänger schon seit dem Grimselpass mit nur zwei Zylindern gezogen und auch die Rundfahrt (ohne Hänger) so absolviert hatten, warteten sehnsüchtig auf eine Zylinderkopfdichtung, doch die kam erst spät nachts aus Turin.

Um sechs Uhr abends dann die Parade im Dorf, grande casino, danach kochte ich für alle Spaghetti Carbonara aus 4.5 kg Spaghetti. Die Spaghetti quollen, es war fast kein Wasser mehr im Topf und der Topf doch noch knallvoll, kein Platz mehr für die Sauce, hektische Momente für den Koch. Diesmal hatte ich den Appetit meiner Gäste überschätzt, ich musste noch im Camp herumlaufen und zusätzliche Esser herbeibitten, aber der Topf wurde dann doch noch leer, gottseidank. Auch diesmal ging es fast bis um drei Uhr, bis alle im Schlafsack waren.

Tagwache sonntags erst später, Jürg wollte noch einmal die Strecke fahren, der Kopp'sche Motor war schon auseinandergenommen, Roger, der einiges an seinem Auto in Ordnung bringen wollte, war schon um acht Uhr abgefahren. Ich verteilte meine drei Buben auf die zwei Achtundachziger und begann mit Rebecca ohne Stress gemütlich mit dem Abbauen/Zusammenräumen, oft unterbrochen von Leuten, die auf einen Schwatz vorbeikamen, Flavio Valente kam nur als Tagesbesucher, weil er dem 'Registro' nicht die hundertzwanzig Euro zahlen wollte. Sein zweiter Weg nach uns führte ihn zu Laurent's Modellshop, auch dort gelang es ihm, einhundertzwanzig Euro auszugeben.

Es wurde dann doch später bis Jürg und seine Gruppe zurück waren und eingepackt hatten, gegen halb fünf Uhr am Abend fuhren wir los Richtung Grossen Sankt Bernhard. Philippe Poffets SIII 109er, Diesel, hatte sich uns angeschlossen, ebenso wie Christoph. Da Annette sich bei einem Umfall am linken Zeigefinger verletzt hatte, wurde ihr Auto von Jürg chauffiert und Balou von Thomas. So umfasste unser Konvoi bis zur Grenze sechs Landies, was wiederum von Patricks fehlenden Papieren ablenkte. Schon auf der Abfahrt von der Passhöhe trennten wir uns, wer rhonetalabwärts wollte, fuhr voraus. Es war uns nicht gelungen, in Aosta LPG für den Stage One zu finden, in der Nähe von Martigny musste sie ihn auf Benzin umschalten.

Dieses war das Auto aber überhaupt nicht mehr gewöhnt, entsetzliche Fehlzündungen waren die Folge, wir blieben auch auf der Autobahn liegen, was auch wegen zwei fehlender Autobahnvignetten Besorgnis auslöste. So verliessen wir bei der ersten Ausfahrt die Bahn und fuhren auf der Kantonsstrasse weiter. Dank diverser Kunstgriffe Annettes (Entfernen der Krümmer von Luftfilter zu Vergaser, Vergaser mit einem langen Schraubenzieher innen voll Benzin laufen lassen) fuhr das Ding dann doch mehr schlecht als recht weiter, bei einer besonders lauten und schwarzen Fehlzündung füllte Jürg einem BMW das offene Fahrerfenster mit Rauch, ein anderes Mal blies er fast einen Harley-Fahrer aus dem Sattel.(In den englischen LR-Zeitschriften habe ich auch gelesen, dass man eine LPG-Conversion auch mindestens einmal im Monat eine Stunde lang auf Benzin laufen lassen solle, alleine schon wegen der Dichtungen im Vergaser und um ihn zu schmieren!)

In Goppenstein angekommen waren Jürg und Annette die letzten, die auf den Autozug passten, wir mussten den nächsten abwarten. Handy sei Dank, Jürg teilte mir seine Absicht mit, weiterzufahren, (falls i das Schissding ueberhoupt a-bringe) und in Kandersteg wartete auch kein liegengebliebener Stage One auf uns. Kurz darauf erneuter Anruf von Jürg, er stehe mit explodiertem Auspufftopf dort und dort, er hätte lieber doch eine Abschirmung nach hinten und warte auf uns. Ich fand es nicht nett von Jürg, die gesamte Strecke war ich treu an seinem Hintern geklebt, und kaum fährt er ein paar Kilometer alleine.... Ich kam trotzdem noch in den Genuss von ein paar imposanten Explosionen. Der an sich schon tolle Sound eines V-8ers gewann durch den langen Schlitz im Topf eine vollkommen neue Dimension, vor allem in den Tunnels. Aber dieses war der letzte Zwischenfall, um Mittemacht kamen wir müde und dreckig in Heimberg an.

Als erstes machte ich ein Röntgenbild von Annettes Zeigefinger, Fissur am Mittelhandknochen und das ganze Chaos und Durcheinander, bis wir sie und ihren Begleiter wieder mit geflicktem Auspuff und betankt mit LPG weiter nach Billing schicken konnten, waren auch sehr dramatisch, but that's another story!

JvC