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Belgium National • 2000

Autor: Joachim von Cranach

Fronti und 88-er machen sich auf den weiten, weiten Weg nach Belgien... Ob sie es wohl rechtzeitig geschafft haben?

Es fing schon gut an: Der angemietete Anhänger konnte erst eine dreiviertel Stunde zu spät abgeholt werden, dann ging das linke Rücklicht nicht, auch eine rasch ausgewechselte Glühbirne brachte keine Verbesserung, nachdem der „kleine" 88er II a aufgeladen und verzurrt war, bemerkte Alex (Burgunder) dass der eine Reifen des Anhängers eine ziemlichen Defekt in der Seitenwand hatte. Radwechsel mit beladenem Anhänger, zur Sicherheit packten wir den Wagenheber-Rolli und das Reifenkreuz gleich hinten rein. Konrad entdeckte dann noch, dass die 2000er-Vignette fehlte, schnell noch ein Kind per Velo zur Tankstelle. Als wir dann endlich losfahren wollten, stellte ich fest dass zwar der unbeladene Anhänger unter dem Vordach hineinfahren konnte, nicht aber der Beladene wieder heraus, längeres Manövrieren und Kurbeln war die Folge. Schliesslich kamen wir, mit knapp zwei Stunden Verspätung auf meinen mentalen Zeitplan, gegen zwanzig Uhr am Donnerstagabend doch noch auf die Strecke.

Flott (für Frontymitanhängerverhältnisse) und heiteren Gemütes kamen wir voran, bis auf der Auffahrt zum Belchentunnel Rebecca, irgendetwas am Suchen und dabei auch die Sitzbank/Motorabdeckung geöffnet habend, die unschuldige Frage stellte: "Papa, ist das normal, dass da unten neben dem Motor eine Stange rot glüht?"

Dichter Verkehr, Steigung, dunkle Nacht, Anhalten schlicht unmöglich! Die wenigen Kilometer bis zum Rastplatz schienen mir sehr lang, im Geiste spielte ich schon alle möglichen Varianten und Lösungen durch: ‘Kardan? Handbremse festgehockt? Nein, zieht ja gut! Beim Patrick Last abwerfen und weiterfahren? Schaltgestänge? Wieso sollte das glühen? Umdrehen?’. Endlich auf dem Rastplatz angehalten, sahen wir, dass es ‘nur’ der Auspuffkollektor war der schwach dunkelrot glühte und ohne Last auch schon wieder zusehends abdunkelte, daher beschlossen wir, wenn auch leicht-bis mittelgradig beunruhigt, weiterzufahren.

Auf der Höhe von Freiburg i.Br. wurden wir durch einen Unfall mit Stau, Autobahnvollsperrung, Umleitung und anschliessender Nachtsuchfahrt durch’s südbadische Land noch einmal für etwa zwei Stunden aufgehalten. Der Rest der Nacht, nur unterbrochen von gelegentlichen Mautzahlstellen und Stopps zum Entleeren und Füllen der verschiedenen Reservoirs, verlief ereignislos, nur zwischen Luxembourg und Charleroi waren die Brummis etwas aufsässig und aggressiv, so dass ich trotz Nachtfahrt hellwach war. (unsere Route, by the way: Heimberg-Basel-Achern-Brumath-Metz-Luxembourg-Namur-Charleroi-Tournai.) Gegen halb zehn Uhr kamen wir auf dem neuen bivouac an, schon wieder so ein nordfranzösisches Schloss, diesmal leider ohne Spielplatz (die ersten Vier BN’s fanden in einem Schlosspark mit Kinderparadies statt). Es waren schon einige Landys/Leute/Zelte da, guter Platz am Rand, nicht allzu weit von Geschehen, Klo in der Nähe, Anhänger dahinter in den Brennnesseln, trotz schriftlicher Aufforderung der Organisatoren, die Hänger ausserhalb zu Parkieren, aber keiner konnte uns sagen wo genau, wir waren schnell installiert und, unter Zurücklassung der Kinder zwecks Rekognoszierung vor Ort konnten Alex und ich uns aufmachen zu unserem fast schon traditionellen Einkaufstrip ins nächstgelegene Einkaufszentrum. Dort parkten wir uns neben dem wohlbekannten 110er der Kayman-Brother’s, fanatische Modellsammler, begrüssten mich mit den Worten: Jetzt haben wir schon über tausend Stück!, aber was soll’s, sind beide gutverdienend, ledig und haben keine vier Kinder. ( Und zusammen nur einen Landy!) Ein grosser französischer oder belgischer Supermarkt ist für mich immer ein Riesenerlebnis, 200m2 Fischauslage, die Fleischabteilung alleine grösser als die ganze Migros in Uetendorf, 60 lfm Bierregale, Käse aus ganz Europa...., Sabbersabberschmatz!

Gut waren die Kid’s nicht mit, das Heck des 88er’s wurde auch so voll.

Nach Fütterung der Raubtiere versuchte ich, vor dem Nachtroadbook noch etwas zu schlafen, das war aber wegen Hitze, Landy-Verkehr, Kindern (Papa, schläfst Du immer noch??? ) und den ausgiebigen Testen der Lautsprecheranlage nicht möglich. ( Diese versagte dann trotzdem immer genau dann, wenn es etwas wirklich wichtiges zu sagen gegeben hätte.)

Gegen fünf Uhr hatte sich das Gelände gut gefüllt, (Im Camp war es mittlerweile sehr eng geworden, schon ein langer LR hatte Mühe, sich zwischen den Zelten durchzuwinden, wie sollte das erst am Sonntagmorgen werden, wenn wir mit Anhänger vor allen Anderen zurück in die Schweiz wollten ? Jetzt verstanden wir die Bitte der Organisatoren, Anhänger vor dem Schlosspark stehen zu lassen), auch das ‘village’ mit den Händlern (Alles für den Geländefahrer, Pneus, Winden, Fahrwerke, Schnorchel, Auspüffe, ganze Landy’s, Nomad’s Land mit der Camel-Trophy Bekleidung und Abenteuerreisen, sogar eine Bank mit Finanzierungsvorschlägen, Bierdegustationen...

Ich hätte dort ein Vermögen liegenlassen können, das ich aber dummerweise gerade nicht dabei hatte, ich beschränkte mich auf einen 9m-5t-Bergegurt mit Schäkel und ein Paar sehr solide Abschlepp’ösen’ für die vordere Blattfedernaufhängung. Und ein paar Modellautos, natürlich.

Von Seiten der Organisation her herrschte das nackte Chaos, überall Horden von Leuten die Auskunft brauchten, aber keiner wusste was von nix, Der im Programm vorgegebene Zeitpunkt für Begrüssungsapéro, Briefing und Beginn des Abendessens war schon lange vorbei, die hungrige Menge vesammelte sich vor dem Essenszelt, als dann doch der Oberorganisator, Bruno Nef-de-Sainval, ( Er hatte mit seine Leuten gemütlich alleine im Zelt abendgegessen ) mit einem Mikro erschien und gleichzeitig uns begrüsste, schwierige Punkte im Nachtroadbook erläuterte und das Abendessen sowie den Start zum Roadbook freigab. Durch Glück ( gute Startposition ) und Taktik ( ein Erwachsener holt Getränke, ein Erwachsener und zwei Kinder holen Essen, zwei Kinder besetzen Plätze) kamen wir rasch zu unserem Essen ( Kalte Fleischplatte mit Brot und Salaten, Getränk nach Wahl und ein Stück Apfeltorte, nicht schlecht ) und an den Start des Road-Books. Dort hatte ich noch einen kurzen Zusammenstoss mit den Organisatoren, ich kann ja verstehen, wenn die Sponsoren gerne ihre Aufkleber auf den Autos sehen, aber sie müssen auch verstehen, wenn ich meiner überlackierten fünfunddreissigjährigen Militärfarbe etwas misstraue. Trotz des auf 2 bar abgelassenen Reifendruckes waren die Pavés pickelhart zu fahren, ich fuhr oft an den Rand um andere vorbeizulassen. 1550 Meter auf Asphalt oder auf einem Feldweg im Dunkeln und ohne Tageskilometerzähler, der Totalkilometerzähler ungenau wegen der anderen Reifengrösse und nur ganze Km zählend, sind zwei total verschiedene Dinge, der Co-Pilot-Navigator Alex machte seine Sache ausgezeichnet und wir kamen gut voran. Am späteren Abend rächte sich dann doch der Schlafmangel, ich hatte in zwei Nächten nur drei Stunden geschlafen und aufeinmal, wie ein Hammerschlag, sah ich alles doppelt, der Kopf fühlte sich an wie in Watte eingepackt und ich hörte schlecht. Alex und ich mussten Positionen tauschen, ich war eindeuig nicht mehr fahrtüchtig. Als Beifahrer ging es besser und ich konnte mich etwas erholen, wir verirrten uns ( mea culpa) ein paar Mal, fanden aber immer wieder auf den rechten Weg zurück. Kurz vor Mitternacht rutschte dann der Ländy beim Übergrätschen zweier sehr tiefer Spurrinnen mit dem rechten Vorderrad in die linke Spurrinne, kletterte mit dem linken Vorderrad den linken Steilrand empor und legte sich sanft, aber unaufhaltbar fast senkrecht auf die rechte Seite. Wir mussten steil nach oben durch die Fahrertür aussteigen, bei der anschliessenden Bergungsaktion ( nach hinten Rausziehen durch eine freundlichen Range-Rover) musste ich wegschauen, Angst vor dem totalen Überschlag aber keine Schäden an Mensch und nur minimale an Maschine. Trotzdem hatte uns dieses Erlebnis etwas den Schneid abgekauft, und als sich nach einer weiteren Stunde auch bei Alex und den Kindern die Müdigkeit bemerkbar machte, brachen wir ab und fuhren nach Karte auf dem kürzesten Weg ins Camp zurück. Unterwegs unterhielten wir uns noch über die äusserst schwache Beleuchtung des Ländy’s und wie man sie verbessern könnte. Im Schlosspark erwartete uns eine heisse Zwiebelsuppe mit Käse und Brot, was die Moral von allen deutlich besserte, Schlafsackruhe dann etwa um zwei Uhr Nacht.

Um sieben klingelte Alex’ Wecker, programmmässiger Start war für neun vorgesehen, aber wir kennen die belgische Organisation ja mittlerweile. Bei Tageslicht und ohne Schlamm waren die Kratzer am Ländy fast nicht mehr zu sehen, grosse Erleichterung. Es kam auch Sonne auf ( Am Vorabend hatte es mehrmals leicht genieselt ) und das Softtop ( und die wenigen verwendeten Sponsorenkleber ) waren schnell abgenommen. Schon routiniert erledigten wir die verschiedenen Schlangen (Frühstück fassen, Road.Book fassen, Lunch-Pack fassen) und bei schönstem Spätsommerwetter fuhren wir in einer laaanggezogenen Ländy-Kolonne durch das belgisch-französische Grenzgebiet, nur noch an den Ortstafeln konnte der eingeweihte erkennen, in welchem Land er sich gerade befand. (Bei Nacht erkennen weder Bei- noch -fahrer viel von der Landschaft.) Auch ich hatte mich über Nacht gut erholt und genoss es sehr. Aber das Glück währte nicht lange, noch bevor wir die erste ‘section’ erreichten ( Auf jedem dieser Road-Books werden mehrere Club-Gelände für richtiges ‘hard-core-off-road angesteuert), weigerte sich der Ländy nach einer Pinkelpause mit dem charakteristischen Klack der leeren Batterie, wieder anzuspringen. Genug Leute zum Anschieben waren ja an Bord, der Motor kam auch problemlos, erst jetzt sahen wir, das die Nadel des Ampèremeters hartnäckig im negativen Bereich pendelte. Wahrscheinlich waren wir schon die halbe Nacht, daher nämlich die extrem schwache Beleuchtung, mit kaputter Lichtmaschine und nur mit Saft ab Batterie, durch’s Gelände gegurkt. Wiedereinmal zogen wir unverrichteten Road-Books mit eingeklemmtem Schwanz auf dem kürzesten Weg zurück ins Camp, wo für die Sponsoren gerade ein Höllentrubel veranstaltet wurde, sie wurden durch’s Trial-Gelände chauffiert, mit dem Hubschrauber über die verschiedenen Off-Road-Gelände geflogen, mit Bier überschüttet undsoweiter. Wir nützten die Leere im Camp, um unseren Anhänger vor’s Schloss zu schieben, dann ging ich etwas schlafen.

Gegen halb fünf hatte sich die Situation beruhigt, und mit den ersten Rückkehrern durchstöberten wir die Stände, degustierten, diskutierten, Benzingespräche und was man so hat macht. Am Abend „Galadiner" im Zelt ( Gebratener Schinken mit Sauce, Gemüse und Folienkartoffel, Getränk und Patisserie nach Wahl. Um zehn Uhr dann noch ein dreiteiliges Spektakel in Trial-Gelände, zuerst ein Video (mittelmässig, wir und unsere Fahrzeuge nur zweimal kurz zu sehen ), dann eine überflüssige Geländebolzerei von Philippe Simonin, einer Art französischer Off-Road-Guru mit seinen speziellen Buggies, Einzelradbremse, V-8-Motoren usw, und zum Schluss, ich war wegen des hartnäckig wiederholten Schlafsackwunsches meines Jüngsten, schon wieder beim Fronty, ein sagenhaftes Feuerwerk.

Gegen ein Uhr früh auch für mich Nachtruhe, der Wecker war auf sehr früh gestellt, wir wollten früh los.

Dank der Vorarbeiten und des Verzichts aufs ( eigentlich bezahlte ) offizielle Frühstück kamen wir schon um Viertel vor Neun los, anfangs ging’s recht flott, gegen Mittag dann immer langsamer, auch auf der Ebene waren nur noch siebzig, dann gar nur noch sechzig möglich, mehrere Kontrollen aller Niveaus usw. waren normal, nur, er fuhr nicht! Einmal sogar ein totaler Aussetzer mit husten, aber das war wohl nur Luft im Vergaser, es war ein sehr heisser Tag, so krochen wir sehr langsam und mit zum Zerreissen gespannten Nerven durch Belgien, Luxembourg, Frankreich und Deutschland nach Hause. Gegen Abend, als es abkühlte, ging es dem Auto wieder viel besser und wir erreichten sogar achtzig km/h. Gegen Mitternacht lieferten wir Alex zu Hause ab und kurz danach waren auch wir daheim.

Wenn man jetzt rechnet, dass wir etwa ca. 77 Stunden von zuhause weg waren und von diesen 77 Stunden etwa 47 in verschiedenen Landy’s sassen, viel Mühe, Aerger, Stress und Enttäuschungen, das Ganze dann auch noch etwa zweitausend Franken kostet, lohnt sich denn das? Ja, es hat sich gelohnt!

Burgunder, Bern & von Cranach’s, Heimberg

P.S.:
Gerüchten zufolge fährt Alex nächstes Jahr im eigenen Ländy nach Belgien, um einmal ein Road-Book fertigzufahren...