Deutsch
Français
English

Im Serie II mit 2 Zylindern aufs Matterhorn

Autoren: Die Kopps • 2003

Donnerstagabend 10.7.03

Wir, das sind Reto Michael und Werner Kopp rüsten unseren Serie IIa und den Zeltklappanhänger für die morgige Fahrt zum Italien National 03 in Breul-Cervinia. Am Landy müssen noch die Oelniveau und der Pneudruck kontrolliert und ergänzt werden. Der Auspuff der bei unserem Landy am Sammelrohr immer etwas locker ist, muss noch nachbefestigt werden. Denn seid dem Einbau der Heckseilwinde vor bald zwanzig Jahren hat der Origialauspuff keinen Platz mehr und so haben wir immer mit einer lockeren Auspuffrohrverbindung am Sammelrohr zu kämpfen. Lediglich für die MFK-Prüfung haben wir auf absolute Dichtheit geachtet. Doch diesmal wollten wir für die Reise nach Italien den Auspuff gut abdichten. Trotz Aufschweissen am Konusflansch bringen wir die Verbindung nicht ganz dicht (so glauben wir wenigstens), und so beschließen wir morgen während der Fahrt so nach einigen Kilometern die drei Schrauben noch etwas nachzuziehen.

Freitagmorgen 11.7.03

Noch Tanken auch Reservekanister, und Proviant einladen. So etwas nach 10.15 Uhr geht?s dann ab auf die Piste Richtung Brünig, Grimsel, Wallis. Nachdem wir letztes Jahr die Autobahnroute via Genfersee gefahren sind, entscheiden wir uns diesmal für die Gebirgsroute. Nach einem Abstecher in Kriens (Wir brauchten noch Videokassetten und Batterien) gings weiter über den Brünig. Bereits hier bemerkten wir eine leichte Krafteinbuse und da der Auspuff immer noch nicht richtig nachgezogen war haben wir diesem Indikator nicht weiter gross Beachtung geschenkt. Dennoch wechselten wir bei Innertkirchen den Keilriemen und kontrollierten noch die Zündkerzen sowie den Unterbrecherabstand. So beruhigt nahmen wir den Grimselpass in Angriff. Doch unser Servicehalt im Berner Oberland war nicht von Erfolg gekürt und wir fuhren mit immer weniger Kraft den Grimsel hinauf. Der am Heck hängende Zeltklappanhänger machte unser Unterfangen auch nicht leichter. Schliesslich sahen wir uns gezwungen die Untersetzung einzulegen und in den Kriechgängen den Grimselpass zu bezwingen. Kurz vor Gletsch haben wir uns entschlossen das Ventilspiel noch nachzuprüfen und einzustellen ebenso wie den Auspuffkonus nochmals nachzuziehen. Danach hatten wir den Eindruck, dass der Motor zwar noch immer nicht ganz in Ordnung ist, dass er jetzt aber wesentlich besser läuft! Logisch es ging ja auch bergab!

Der Zustand unseres über dreissigjährigen Motors lies uns aber keine Ruhe und obwohl wir bis jetzt kein Wasserverlust verzeichneten vermuteten wir bereit jetzt nichts Gutes. In Brig hätten wir bei verschiedenen Garagen gerne die Kompression unserer vier Zylinder gemessen, um eine sichere Schadensdiagnose zu machen. Aber keiner der Garagisten wollten am Freitag nachmittag um bald 16.00 Uhr dafür noch Zeit aufwenden. Ein Umkehren zu jetzigen Zeitpunkt wäre bei meinen Jungs wohl gar nicht gut angekommen und so entschlossen wir uns vorerst weiterzufahren. Wallisabwärts bis nach Martigny gings dann wieder recht flott vorwärts (so knapp 100 km/h mit Hänger auf der Autobahn.)

Doch hinauf zu grossen St. Bernhard fehlte uns die Kraft an allen Ecken und so blieb uns nichts anderes übrig als auch hier in den Geländegängen hinauf zu krakeln. Da wir zu hause besprochen hatten über den Pass zu fahren machten wir Verrücken auch noch diesen Umweg in den kleinen Gängen.

Hinab ins Aostatal und dann weiter bis Châtillon konnten wir dem normalen Verkehrsfluss mithalten. Hinauf nach Breul-Cervinia mussten wir dann zeitweise (vorwiegend) wieder mit den kleinen Gängen vorlieb nehmen. Endlich so etwa um 20.00 Uhr trafen wir auf dem Landy-Camping ein und wurden von allen anwesenden Landyfahrern herzlich empfangen. Besonderen Dank hier an Joachim von Cranach der in seiner Funktion als Grosskoch uns sofort zum Nachtessen einlud und uns blitzartig mit seinem selbstgekochten Risotto gut versorgte. Nochmals vielen herzlichen Dank.

Nach dem Nachtessen gings daran den Defekt genauer zu verifizieren. Mit blossem Daumen versuchten wir am inzwischen etwas weniger heissen Motor die Kompression zu Messen. Die Vermutung die wir bereit im Wallis diskutierten, bestätigte sich.

Die Zylinderkopfdichtung musste zwischen den zweiten und dritten Zylinder defekt sein und somit Durchgang zwischen diesen Beiden bestehen. Nun gings daran eine entsprechende Zylinderkopfdichtung aufzutreiben. Stoni, der soeben eingetroffen war meinte das sei kein Problem, bis Samstag im Verlauf des Morgens sollte Fabio und sein Klubmechaniker bestimmt eine organisiert haben. So liessen wir den Freitag nach einem ausgiebigen Schwatz und Trunk am Schweizertisch relativ früh ausklingen, waren wir von der etwas anstrengenden Anfahrt ziemlich müde.

Samstag 12. Juli

Am Samstagmorgen gestaltete sich das Suchen einer entsprechender Kopfdichtung als wesentlich schwieriger als erwartet. Fabio und Joseph wussten lediglich das im ganzen Aostatal wohl keine aufzutreiben sei. So fragten wir bei vielen National-Teilnemern nach dem entsprechenden Ersatzteil. Auch im Wallis suchten wir telefonisch nach einer Zylinderkopfdichtung. Dies erwies sich an einem Samstag jedoch als schier unmöglich.

Einzig ein kleiner Italiener, der übrigens über fünfundzwanzig Jahre in England lebte und aus Florenz kam, sagte so nebenbei, er versuche eine zu organisieren. Zuerst sollte das gesuchte Teil um 14.00 Uhr, dann um 16.00 Uhr eintreffen. Da wir den Samstag nicht nur herumsitzen und Teile suchen wollten versuchten wir in einem zweiten Anlauf nach dem grossen Stau auf den Routen mit unserem Zweizylinderlandy die Tour bis auf über 3000 Meter unter die Räder zu nehmen. Und mit etwas Mühen und Zehren erreichten wir im Zweizylinder und schönstem Wetter den höchsten Punkt mit herrlicher Aussicht auf den Monte Cervinio und seine wunderbare Umgebung. Wir wollten um 16.00 Uhr unbedingt wieder im Camp sein, den wir wollten unsere Dichtung bestimmt nicht verpassen. Doch erneut wurde das Eintreffen des benötigten Teils verschoben. (Ein anderer unglücklicher 110 Fahrer brauchte noch eine Achswelle für sein FZ) Also entschlossen wir uns mit unserem Zweizylinder um 18.00 Uhr den Concours d'elegance ebenfalls mitzufahren. Spät nachts nach 23.00 Uhr traf unser sehnlichst erwartetes Ersatzteil ein. Der kleine britische Italiener aus Florenz (ein echter Landyfan) hat die benötigten Teile für uns und den 110-Fahrer bei einem Kollegen in Torino organisiert und kommen lassen bezw. teilwegs abgeholt.

Sonntag 13.7.

Um 06.00 Uhr Kaffee kochen und Morgenessen. 06.30 Uhr Demontage Zylinderkopf 09.00 Uhr erstes Starten des wieder zusammengebauten Motors. Um 12. 00 Uhr waren wir wieder auf über 3000 Meter, diesmal mit voller Kraft. Ja dies reichte jetzt noch aus um diverse steckengebliebene Landy und Discos aus ihren misslichen Situationen zu befreien. Da wir am Samstag nicht soviel im Gelände unterwegs sein konnten verlängerten wir unser Aufenthalt hier oben noch um ein paar gemütliche und amüsante Stunden. Bei einer angeregten Unterhaltung mit Stefano (einem weiteren Organisator neben Fabio und Joseph vom Aosta Valley Club) und einem guten Schluck seines selbstgemachten Wein, fiel es uns schwer diese wunderschöne Kulisse zu verlassen. Stefano erleichterte uns den Abschied mit seinem Geschenk, einer seiner Weissweinflache welche er hinter einem Stein hervor zauberte, vielen Dank er hat auch zu Hause bestens gemundet.

Am späteren Nachmittag räumten wir zusammen, das Camp war bereits fast verlassen. Einzig Joachim und Steve und ihre Kollegen waren auch am zusammenräumen. Mit neuer Dichtung und voller Kraft gings los, der Heimat entgegen. An einer Tankstelle kurz vor Châtillon sahen wir noch Eusi, (Danke für den Drehmomentschlüssel) Kuno und Co. Kurz vor dem grossen St. Bernhard überholte uns noch F. Pfister. So reisten wir bestens unseres Weges, dies mal nicht mehr über das Gebirge sondern durchs Greyerzerland wo wir nochmals den herrlichen Blick auf das Matterhorn zurück genossen. Einige Strapazen und viel Erfahrungen reicher, glücklich über das Erlebte und Gemeisterte fuhren wir um 21.00 Uhr zu hause in Hitzkirch ein.

Auf bald in Aosta 2004

Reto, Michael und Werner Kopp