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Felsige Berge - Montage von Parabolic Leaf Springs

Autor: Joachim von Cranach • Fotos: Kat Bleuer 

Die Heavy-Duty-LWB-Blattfedern am "neuen" 88er waren zwar eine ökonomische, weil aus dem eigenen Ersatzteillager kommend, aber fahrtechnisch vollkommen unbefriedigende Lösung, wie meine Erfahrungen im Aostatal und u.A. in Finsterhennen und am Belgium National gezeigt hatten. Als Roger Rubin (Stage One V8) sich ebenfalls negativ über den mangelnden Komfort seines Fahrwerkes beklagte, war daher unser Entschluss schnell gefasst: "We go parabolic!"

Intensives Internet-Studium von Roger führten uns nach Calgary, wo wir bei Bestellung von zwei mal zwei Sätzen das beste Angebot bekamen, Lieferung frachtfrei bis Flughafen Schweiz.

Leider kam Roger mit den zwei recht schweren, aber solid verpackten Paketen erst am Abend vor meiner Herbstferienwoche vorbei, so dass die zwei familienfreien Wochen davor ungenutzt verstrichen. Immerhin kam ich noch dazu, die ausführliche und gut verständliche Anleitung durchzulesen, wo der grosszügige Gebrauch von Kriechöl dringend empfohlen wird (für Ländy-Schrauber eigentlich eine Selbstverständlichkeit), was ich kurz vor Abreise auch tat.

Ebenfalls empfohlen wird die genaue Kontrolle von allen Stossdämpfern, Federbolzen und "bushings" vor der Bestellung, damit man eventuellen Ersatz gerade mitbestellen kann. (Diese "Unterlassungssünde" kostete mich mehrere notfallmässige Trips zu Bischoff nach Spiez, meistens kurz vor Feierabend, nervenzerreissend, oder zu U. Stoller.)

Montage

Die Montage einer neuen Blattfeder ist einfacher, als ich es mir vorgestellt habe, die letzte machte ich schon auswendig, ohne die Anleitung zu konsultieren. Hier ein Kurzbebschrieb:

  • Radmuttern anlösen, Chassis aufbocken, Rad abnehmen.
  • Stossdämpfer zumindest am unteren Ende abmontieren.
  • Achse unterstützen, die vier Muttern der U-Bolzen lösen. (Rocky Mountains-Parabolfedern kommen mit zwei neuen U-Bolzen, Beilagscheiben und Muttern pro Feder, wobei der U-Bolzen vorne neben dem Differential abgeflacht ist. Die vier an der Hinterachse sind alle gleich.)
  • Die Federbolzen lösen (Achtung, die Federlaschen haben auch ein Innengewinde, also ausdrehen, nicht ausschlagen!), oft muss man auch den Bolzen der Federlasche lösen, damit einem die Feder auf den Kopf fällt.
  • Montage in umgekehrter Reihenfolge, aber alle Muttern nur an- nicht festziehen, sondern, wenn alle Federn montiert sind, die jeweilige Achse mit drei Erwachsenen belasten und dann mit 70 lb/ft anziehen.

Die ist die Anleitung nach Vorschrift, ich habe bessere Erfahrungen damit gemacht, alle Muttern bei am Boden stehenden Rädern anzulösen und erst dann aufzubocken! Viel Fett an allen Verbindungen erleichtert eine (hoffentlich erst viel spätere) Demontage.

Alle Teile passten sehr gut, ich musste nur an den Grundplatten die Löcher für die U-Bolts etwas vergrössern, das steht auch in der Anleitung.

Wegen der viel besseren Verschränkung der Parabolfedern braucht man eventuell neue Stossdämpfer mit längerem Hub (ich bekam aus dem Club-Ersatzteillager zwei Paar fast neue Monroe-Gasdruckdämpfer) und die Länge der Achsenfangriemen muss kontrolliert werden, ideal ist, wenn sie die Achse einen cm vor Maximalausschlag der Stossdämpfer auffangen (es gibt auch Leute, die auf die Check-Straps verzichten). Ich habe meine neuen Fangriemen aus zwei Stücken gummiertem 45-mm-(C)-Feuerwehrschlauch gemacht und besitze jetzt wohl den Ländy mit den solidesten Check-Straps auf der ganzen Welt. Eventuell (aber das merkt man selber auf überraschende Weise) muss man auch verlängerte Bremsleitungen montieren.

Resultat

Schon optisch wirkt der 88'er jetzt, da fast zehn cm höhergelegt, viel bulliger. Da ich die neuen Federn (sie werden grundiert geliefert) feuerrot und die Stossdämpfer knallgelb gespritzt habe, sieht man sie auch gut. Dazu kommen noch die glänzenden Abschlepp-Ringe, die ich bei der Gelegenheit an den vorderen Federaufhängungen montiert habe.

Das Fahrverhalten hat sich enorm verbessert, ich hatte zwar noch nicht die Gelegenheit zum "richtigen" Geländefahren, aber auf Wald- und Kieswegen ähnelt der Komfort meinem VW-Taro, ich kurve nicht mehr um Schlaglöcher oder Zigarettenstummel herum aus Angst um meine Sitzfläche bzw. Wirbelsäule.

Ich warte schon sehnsüchtig auf die nächste Geländefahrmöglichkeit! 

JvC, Heimberg