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Motorex • Besuch in Langenthal

Event-Datum: 12. Juni 2004
Autor: Martin Gasser
Photos: Patrick Amann

Herr Zuppiger, seines Zeichens Verkaufsleiter bei Motorex, begrüsste jeden von uns persönlich und begleitet ihn zum originellen Fasslift, welcher uns in das oberste Stockwerk des Gebäudes brachte. Kaffee und Gipfeli, Jus und Mineralwasser standen schon bereit. Auf dem grosszügig angelegten Stockwerk sind das Labor hinter Glas, eine Cafeteria und Multivisionsraum, Konferenzräume, Besucherlabor sowie themenbezogene Produktpräsentationen mit Autorennwagen, Land- und Forstwirtschaft, Rennmotorrad und Bike sowie eine Nische mit Werkstatteinrichtungen und die dazugehörigen Produkte in attraktiven Verkaufsgestellen untergebracht.

Tribologie

Das ist die wissenschaftliche Erforschung und technische Anwendung von Reibung, Verschleiss und Schmierung unter Berücksichtigung von Konstruktion, Werkstoffkunde, behördlicher Vorschriften usw.. Herr Zuppiger hat uns im Lerngespräch und mit anschaulichen Skizzen aus seiner Präsentation die oben genannten Begriffe für alle verständlich näher gebracht.

Der Morgen ging viel zu schnell vorüber, es kamen immer wieder Fragen von den Teilnehmern, und auch der Magen knurrte immer lauter. Mit etlicher Verspätung auf den Zeitplan trafen wir in der nahe gelegenen Pizzeria ein. Bis ca. 40 Leute mit Essen und Trinken versorgt waren dauerte es doch einige Zeit.

Die Produktion

Wieder zurück im Firmenareal erklärte uns Hr. Zuppiger die Tankanlage in welcher die Basisöle gelagert werden. Von jeder neuen Lieferung, welche mit der Bahn in Kesselwagen ankommt, wird erst eine Probe gezogen und im eigenen Labor auf die geforderte Qualität geprüft. Erst wenn das Labor das OK gibt, wird die Ladung auch gelöscht.

Auf dem Rundgang durchs Gebäude über viele Stockwerke haben wir den Werdegang des Öls verfolgt. Begonnen haben wir im Additiv-Fasslager. Wir durften den Preis eines Fasses schätzen. Alle lagen daneben. Es gibt da Fässer, die kosten SFr. 160'000.- pro Stück. Ja ja, richtig gelesen in Worten Hundertsechzigtausend Schweizerfranken pro Fass und es stehen nicht nur zwei dort!

Das Basisöl und eine genau definierte Menge (Kg) Additiv, wird nach Vorgabe in einen heizbaren Bottich abgefüllt und nach Rezept über etliche Stunden erwärmt. So werden das Basisöl und die Additive homogenisiert. Je nach Eigenschaft, die das fertige Öl haben muss, werden die verschiedenen Additive dazugegeben.

Das fertige Öl wird dann im Keller (Transport über Rohrsysteme) in die bekannten grünen Motorex Fässer abgefüllt. Wie uns Hr. Zuppiger ausführte legt Motorex grossen Wert auf das Aussehen (Design) der Fässer. Sie wurde bis vor kurzem in Frankreich und neu in der Schweiz hergestellt. Viele Fässer haben noch nie Öl enthalten und haben in diversen anderen Funktionen wie Abfalltonnen, Hocker, Schirmständer Baustellenbegrenzungen usw. Verwendung gefunden. Sie können als Leergebinde in zwei Grössen 50 & 200 Lt direkt bei Motorex in Langenthal bezogen werden.

Abfüllen - Spedition

In der Fassabfüllstation haben wir auch ein Migrol-Ölfass entdeckt und natürlich gleich gefragt, ob da auch original Motorexöl drin sei. Nein, sagte Hr. Zuppiger, das Öl für die Migrol wird nach dem Rezept der Migrol "gebraut", aber bei Ihnen abgefüllt. Natürlich steht das MOTOREX Labor ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Was auf allen Stockwerken besonders auffällt ist, dass alles blitz blank sauber ist. Wer selber schon mit Öl gearbeitet hat, weiss was es heisst "ölverseuchte" Gebinde und Leitungen zu reinigen. Hier in der Produktion hat es unzählige Leitungen, Behälter & Abfüllstationen usw. die man reinigen muss. Die spezielle Reinigungsflüssigkeit muss anschliessend als Sondermüll entsorgt werden.

Das Abfüllen und Beschriften mittels Etiketten in die prämierten 1-Liter Plastikflasche mit "Rüssel", läuft in einer eigens dafür konstruierten Maschine vollautomatisch ab. Die verschiedenen Lieferungen werden in der Spedition kommissioniert und auf Normpaletten bereitgestellt und anschliessend per LKW verteilt. Der wird übrigens von jedem Fahrer selber beladen, damit er am Abend, wenn er zurückkommt, nicht sagen kann, ihr habt mir den Wagen falsch beladen, ich musste alles zuerst vor Ort "ummabiga"!

Motorex macht die Auslieferung mit mehren eigenen Lastwagen und arbeitet auch noch mit der Post und fremden Speditionen zusammen.

Weitere Produkte

In einem Nebengebäude wurden uns noch die von Motorex als Handelsware vertriebenen Werkstatteinrichtungen gezeigt. Diverse Arten Lifte und Hebebühnen, Pneumontier- und Auswuchtmaschinen, Teilewaschgeräte, Scheinwerfereinstellgeräte sowie Ölabfüllstationen von der einfachen handbetriebenen Fasspumpe bis zum Computer gestützten Öl-Management mit welchem die Werkstatt in der Lage ist, die diversen Aggregate direkt ab Zapfpistole millilitergenau abzufüllen, wobei die abgefüllte Menge direkt via Rechner auf den jeweiligen Reparatur- oder Service Auftrag gebucht wird. Dies führt soweit, dass der Lieferant (Motorex natürlich) automatisch vom Rechner den Befehl zur Lieferung bekommt, bevor der Betrieb ohne Öl im trockenen ist ... Somit ist es auch vorbei, dass die angestellten Mechaniker ihren Ölwechsel auf Kosten des Hauses machen können, ohne dass sie eine Auftragsnummer "gelöst", haben.

Abschluss des Rundganges

Wieder im obersten Stock angekommen haben wir gemeinsam noch einen Film über die Firma und deren Geschichte sowie über die Produktion der Öle gesehen. Zum Abschluss offerierte uns die Firma Motorex noch einen Aperitif und jeder der Teilnehmer konnte noch eine Tasche mit Motorex Produkten mit nach Hause nehmen.

Gerne danke ich Herrn Zuppiger im Namen aller Teilnehmer für den interessanten und lehrreichen Tag bei Motorex in Langenthal.

Was braucht der Landy?

Aber was braucht nun mein Landy für ein Öl, wurde Hr. Zuppiger gefragt. Diese Frage konnte nicht mit einer Sorte Öl beantwortet werden. Er betonte, dass immer die Vorschrift des Autoherstellers gilt!! Auf Grund dieser Vorschriften "mixt" dann Motorex ihr eigenes (Rezept) Öl (sie ist von der ersten Stunde bei der Spezifikation für neue Motore & Aggregate bei allen Herstellern dabei!). Denn der jeweilige Einsatz und die Umgebungstemperatur spielt die entscheidende Rolle. Auch hier gibt wieder die Betriebsanleitung des Fahrzeuges die Spezifikation des Öles vor, welches verwendet werden muss.

Da es den Landy mittlerweile über 50 Jahre gibt, darf in einem Serie 1 nicht das gleiche Motorenöl wie im TD5 verwendet werden, nach dem Motto dieses Superöl vom TD5 geht auch bei meinem Serien-LR.

Grund: Der TD5 ist ein Diesel mit Turbo und benötigt ein höher legiertes Öl als der Benziner aus dem Serien-LR. Weil der Diesel noch mit verschwefeltem Diesel fährt, welches im Motor (einfach gesagt) ziemlich aggressiv ist, muss das Öl (unter vielen anderen) die Eigenschaft haben, diese Schwefelrückstände aufzunehmen und sie in der Schwebe zu halten. Das heisst der Ölwechselintervall muss immer einhalten werden, wenn das Motorenöl die Rückstände nicht mehr aufnehmen kann verschlammt der Motor. Dies geschieht oft bei älteren Rover V8 Motoren.

Umgekehrt, im Serie 1 Benziner reinigt das hoch legierte Öl den Motor und plötzlich ist er undicht. (noch mehr als gewohnt....) Es gibt auch noch die teil- und die vollsynthetischen Öle. Jedes hat seinen speziellen Verwendungszweck, wieder abgestimmt auf die Forderung der Aggregat-Hersteller. Auf diese Öle möchte ich nicht eingehen, es würde den Bericht "sprengen".

Weitere Informationen

Wer spezifische Fragen hat, kann jederzeit bei Motorex in Langenthal anrufen. Sie haben dort auch einen Verkaufsladen, welcher an Einzelpersonen ihre Produkte verkauft, ansonsten können die Produkte nur über den Handel bezogen werden, z.b. 75% der Landmaschinenhändler in der Schweiz verkaufen Motorex Produkte. Ein Teil ihrer Produkte ist auch an den Migrol-Tankstellen, Do it yourself Läden, sowie bei diversen Motorradhändlern erhältlich. Motorex bietet eine umfassende Beratung auch für spezielle Anwendungen an, allenfalls stellt sie das Produkt selber her, auch in kleinen Mengen, oder besorgt es auf dem Weltmarkt.

Martin Gasser

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