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Am Steuer des LRoS • Oktober 2014

Daniel Hotz • Präsident LRoS

Liebe Clubfreunde

Zu meinem ersten Land Rover kam ich zufällig. Für das Ziehen des Bootsanhängers, das Transportieren einer wachsenden Hundeschar und gelegentliche Taxifahrten für die Gäste meines nebenberuflich geführten B&B am Lough Corrib in Oughterard/Co. Galway in der Republik Irland wurde ein kostengünstiges und für diese Aufgaben geeignetes Auto gesucht.

Ein Inserat lockte mich schliesslich über die Grenze nach Nordirland: „Land Rover 110, 1989, Diesel, low mileage, good condition, GBP 2‘000.- or nearest offer, call John…“. Ich gebe zu, eigentlich stellte ich mir eher einen Toyota Land Cruiser oder Nissan Patrol vor. Dennoch wollte ich diesen Landy wenigstens anschauen. So fuhr ich also los und stand gut vier Fahrstunden später vor einem 3-türigen 110er Hardtop. Die Karosserie braun mit gelben Streifen, auf denen in breiten Lettern „Housing Estate Officer“ stand. Die beiden Kotflügel wurden offenbar ersetzt, aber nicht gespritzt. So kam zu braun und gelb noch grün hinzu. So wie das Auto aussah, fuhr es sich auch, katastrophal! Der Landy war im Besitz der staatlichen nordirischen Immobilienverwaltung (Armeeausführung), wurde geklaut und kam schliesslich nach einem Unfall in die Versteigerung. John kaufte den Wagen, reparierte nach bester englischer Tradition (!) und schaltete ein Inserat.

Warum ich das Portemonnaie zückte und meine hart verdienten Pfundnoten gegen den zusammengeflickten Haufen Auto tauschte? Das lässt sich mit Vernunft nicht erklären...

Zurück in der Republik Irland bestellte ich in England die billigste Farbe, die ich finden konnte, um den Wagen erstmal neu zu streichen. Der Lieferant aus England schickte die fünf Liter Dose Nato Grün in einer ausrangierten Sprengstoffkiste aus Holz der britischen Armee.  Das Nato Grün passte ganz gut zum Land Rover und die ausrangierte Sprengstoffkiste passte als Whiskey-Transport-Gefäss bestens auf den mittleren Sitz. Einige Tage später, immer noch mit der nordirischen Fahrzeugnummer versehen, parkierte ich den Land Rover anlässlich eines geschäftlichen Termins vor dem europäischen Hauptsitz der US-amerikanischen Siebel Systems Inc. in Galway, worauf das Sicherheitspersonal der Firma das Fahrzeug inspizierte und die Sprengstoffkiste entdeckte.  Als ich nach meinem Termin auf den Parkplatz zurückkehrte, war die irische Polizei „garda siochana“ bereits dabei, die nächste Umgebung um meinen Land Rover zu sichern und wer weiss was noch alles damit passiert wäre, hätte ich nicht umgehend die Sachlage klären können!

Ende 2003 schickte mich mein amerikanischer Arbeitgeber zurück in die Schweiz, um eine neu akquirierte Unternehmung im Kanton Aargau in den Konzern zu integrieren. Der Landy war mir irgendwie ans Herz gewachsen und so beschloss ich, ihn mit in die Schweiz zu nehmen. Ich ahnte, dass dies nicht ganz einfach sein würde. Internet sei Dank fand ich noch vor der Abreise Unterstützung  von der Abteilung Homologation von Land Rover Schweiz und einige gute Tipps im damaligen Forum der Webseite des LRoS. Im tiefen Winter 2003 fuhr ich mit meinem damaligen Hund Terry auf dem Beifahrersitz und einigen Schachteln im Heck und auf dem Dachträger zurück in die Schweiz. Sechs Monate und drei Vorführtermine später erhielt mein 110er als Umzugsgut den Typenschein X vom Strassenverkehrsamt Schaffisheim.

Ich bin absolut kein Clubmensch. Deshalb wollte ich „bloss mal reinschauen“ an einem Höck des LRoS. Mitglied zu werden lag mir völlig fern. Dem ersten „bloss mal reinschauen“ folgte ein zweites „wiedermal reinschauen“ und diesem ein drittes und schliesslich wurde ich Mitglied des LRoS. Das war 2004. Heute, 10 Jahre später finde ich mich in der Rolle des Präsidenten dieses Clubs wieder.

Der rechtsgesteuerte Land Rover aus Nordirland ist heute in Anthrazit gestrichen und in seinen Ritzen hockt der rötliche Sand zweier Marokko Reisen. Die Whiskey Flasche gehört noch immer zur festen Bordausrüstung des 110er und auch die hölzerne Sprengstoffkiste ist noch da. Der Fuhrpark ist zwischenzeitlich etwas gewachsen. Nebst dem 110er (Td, 1989) stehen noch ein Serie I 88 (1957) eine Serie III 109, 6-Zylinder (1976) und zwei Defender Td5 110 (2003/2004) und ein Rover 75 (2003) auf dem Hof. Der Virus hat mich also vollends befallen! Was mich bis heute am LRoS am meisten begeistert, ist die Durchmischung der Mitglieder und die Vielfalt der unterschiedlichen Interessen rund um Land Rover. Das Clubleben ist geprägt von Toleranz und Offenheit. In den 10 Jahren Clubmitgliedschaft habe ich bestimmt hunderte von Land Rovern gesehen und keiner war gleich wie der andere. Jeder der individuellen Land Rover, inklusive die Fahrer/-innen wurde und wird mit gleich freudigem Interesse aufgenommen und im Clubleben integriert. Ich bin mir sicher, das ist einer der Gründe, warum wir als Club weiterhin Wachstum verzeichnen dürfen, obwohl die Verkaufszahlen der Defender* stark rückläufig sind. Ich finde, darauf dürfen wir stolz sein!

Herzlich,

Dani

 

 

 

PS:
Die älteren Mitglieder unter Euch haben es bemerkt, ich habe mit diesem Editorial eine frühere Tradition, nämlich das Domino wieder aufleben lassen. Dieses Domino gebe ich nun weiter an unseren Vize-Präsi Töbi und seine Familie und freue mich auf seine Geschichte, wie er zum Land Rover kam!

*Über 90% der Clubfahrzeuge sind Defender und Serie oder Classic Fahrzeuge, die nicht mehr gebaut werden!